Intel rechnet mit einem mehrjährigen Übergang, bis alle eigenen Chips PQC-konform sind. Die neuen Algorithmen sollen dabei neben bestehenden Verfahren wie dem Advanced Encryption Standard (AES) bestehen, um sowohl quantensicheren als auch herkömmlichen Web-Verkehr abzudecken. Konkret will Intel den regulären AES-Internetverkehr dadurch absichern, dass die Handshakes mit PQC und Hardwarebeschleunigung geschützt werden. „Wir erweitern die Abdeckung von Generation zu Generation, und 2029 werden wir bereit sein", sagte Pashupathy.

Die Dringlichkeit begründet Intel mit dem Zeitfaktor: „Man will nicht in Angriffe der Art ‚jetzt sammeln, später entschlüsseln‘ geraten, denn der Zeitpunkt liegt nicht drei Jahre in der Zukunft, der Zeitpunkt ist jetzt", so Pashupathy auf der Google-Cloud-Next-Konferenz.

Bei Nvidia geht es um Vertrauensanker und Attestierung beim sicheren Datenaustausch im Confidential Computing. „Es gibt eine Reihe davon, und wir setzen sie nun, da sie freigegeben sind, konsequent in Hardware und weiteren Funktionen um", sagte Rohrer.

Anzeige

Technisch beruht PQC auf asymmetrischen Verfahren mit einer Kombination aus öffentlichem und privatem Schlüssel und ist strukturell darauf ausgelegt, Angriffen mit Quantenrechnern zu widerstehen. Die etablierten asymmetrischen Verfahren RSA und ECC gelten dagegen als angreifbar. Anders liegt der Fall bei AES-256: Das symmetrische Verfahren nutzt einen einzigen geteilten Schlüssel, um große Datenmengen wie Internetverkehr zu verschlüsseln, und gilt laut Nelly Porter, Director of Product Management für GCP Confidential Computing and Encryption, als quantenresistent. Pashupathy verwies darauf, dass AES-256 in Intel-Hardware bereits beschleunigt wird und genau deshalb gegen Angriffe des Typs „jetzt sammeln, später entschlüsseln" eingesetzt werden sollte.

Wie lang solche Übergänge dauern, zeigt die Geschichte von AES selbst: Das NIST veröffentlichte den Standard 2001, in Kraft trat er 2002 – in Chips von AMD und Intel erschien er erst 2010. Als erster Hersteller baute IBM Beschleuniger für Post-Quanten-Verschlüsselung in seine Hardware ein, mit dem 2022 erschienenen Mainframe z16; die Firmware wurde später aktualisiert, um das System mit den PQC-Standards des NIST konform zu halten.

Porter mahnte auf der Konferenz, Unternehmen müssten den Schutz vor Quantenangriffen jetzt angehen: „Jedes sensible Bit und Byte, das Sie über die Leitung senden und das nicht geschützt und nicht quantenresistent ist, kann heute gespeichert und entschlüsselt werden, sobald diese Rechner verfügbar sind."

Die Aufrüstung der Prozessoren ist dabei nur der Anfang. Nach Ansicht von Jack Gold, Principal Analyst bei J. Gold Associates, sollten Unternehmen ihre komplette Hardware bewerten: „Viel Infrastruktur mit eingebauter Verschlüsselung lässt sich schwer aufrüsten oder in manchen Fällen – etwa bei älteren Netzwerkgeräten – gar nicht, sodass sie ersetzt werden müsste."

Intel kündigte an, die Beschleunigung asymmetrischer Verschlüsselung fortzuführen und die Unterstützung für PQC-Algorithmen in künftigen Plattformgenerationen auszubauen.