Wie stark sich das Nutzungsverhalten unterscheidet, zeigt Akamai an der Länge der Dialoge: Eine durchschnittliche Konversation umfasst rund fünf Prompts, bei den obersten fünf Prozent der Anwender sind es routinemäßig 18 oder mehr. Für Akamai ist das ein Beleg dafür, dass KI-Modelle zu festen Mitarbeitenden in zentralen Geschäftsabläufen geworden sind.
„KI ist längst kein bloßer Produktivitätsschub mehr, sondern eine virtuelle Kollegin mit Schlüsselkarte zum Unternehmenstresor", sagt Or Eshed. Sicherheitsteams müssten daher herausfinden, welche Beschäftigten am stärksten von KI abhängen, um zu wissen, wo sich das Risiko konzentriert.
Ein zentraler Befund betrifft die Identitäten: Knapp die Hälfte aller KI-Konversationen im Unternehmensumfeld – 47,11 Prozent – läuft laut Bericht über persönliche Identitäten statt über unternehmensverwaltete Konten. KI-Plattformen mit eigenen Governance-Funktionen setzen die Grenzen der Unternehmensidentität durchaus durch; Zugänge über Privatkonten hingegen erzeugen erhebliche Sichtbarkeitslücken für IT-, Sicherheits- und Compliance-Abteilungen.
Besonders unübersichtlich wird es, wenn beides vermischt wird. „Eine der überraschendsten Erkenntnisse war, dass 14,4 Prozent der KI-Konversationen in Unternehmen über geschäftliche E-Mail-Adressen liefen, die mit persönlichen Freemium-Abonnements verknüpft waren – und nicht mit unternehmensverwalteten Lizenzen", so Eshed. Selbst beim Zugriff über eine Unternehmensidentität könnten die sensiblen Daten, die Beschäftigte in Prompts eingeben, damit für das Training öffentlicher Modelle verwendet werden.
Hinzu kommt ein wachsendes Ökosystem an Nischenwerkzeugen. Während sich Sicherheitsteams auf die Steuerung von ChatGPT, Claude, Copilot und Gemini konzentrieren, führen Beschäftigte still und leise dutzende spezialisierte KI-Tools, KI-gestützte SaaS-Anwendungen und private Abonnements ohne IT-Aufsicht ein. Eshed zieht die Parallele zu Mobilgeräten: Ähnlich wie beim Bring-your-own-Device brächten Mitarbeitende zunehmend „ihre eigenen KI-Werkzeuge" mit – BYOAI –, was zusätzliche Lücken darin schaffe, wie Geschäftsdaten gespeichert, aufbewahrt und verarbeitet werden.
Als weiteren, schnell wachsenden blinden Fleck nennt der Bericht Browser- und IDE-Erweiterungen. In mittelgroßen Unternehmen nutzen 17,7 Prozent der Beschäftigten mindestens eine KI-Erweiterung, in größeren Organisationen sind es 9,53 Prozent. Knapp 75 Prozent dieser Erweiterungen fordern hohe oder kritische Berechtigungen an. Sicherheitsrelevant ist vor allem ein weiterer Wert: 16,31 Prozent der KI-Erweiterungen enthalten bekannte CVE-Schwachstellen – gegenüber 10,80 Prozent bei Browser-Erweiterungen insgesamt.
„Diese Werkzeuge schaffen breite, nicht verwaltete Pfade direkt in aktive Nutzersitzungen und sensible Unternehmensdaten hinein", warnt Eshed. Die Schatten-KI-Landschaft sei nicht nur ein Datenschutzproblem, sondern die Infrastruktur für die nächste Generation automatisierter Cyberangriffe.
Für CISOs verschiebt sich damit laut Akamai die Fragestellung: Es gehe nicht mehr darum, ob Beschäftigte KI einsetzen – das tun sie –, sondern darum, zu erkennen, wo KI arbeitet, welche Teams am stärksten davon abhängen und ob diese Systeme noch innerhalb der Unternehmensleitplanken laufen. Diese Fragen sollten Sicherheitsteams beantworten, bevor es Angreifer tun.
