Die Masche folgte nach Darstellung der Ermittler einem bekannten Muster: Die Täter riefen ihre Opfer an oder schrieben ihnen E-Mails und gaben sich als Polizei- oder Regierungsvertreter aus. Als Begründung dafür, dass die Betroffenen ihre Konten leerräumen und sämtliche Mittel übergeben sollten, dienten unterschiedliche Vorwände — einigen wurde erzählt, ihr Name stehe in Verbindung mit Drogenverfahren, anderen, ihre Daten seien gestohlen worden und würden für Einkäufe missbraucht.
Die Opfer sollten Bargeld bereitstellen oder Goldbarren und Geschenkkarten kaufen. Nahezu alle in der Anzeige aufgeführten Geschädigten sind in ihren Siebzigern oder Achtzigern.
Goswamis Aufgabe bestand laut Anklage darin, von der Betrugsorganisation Adressen und Codewörter zu erhalten, das Geld oder Gold bei den Opfern abzuholen und an einen anderen Ort zu fahren, von wo aus es nach Indien geschickt wurde. Rund 90.000 Dollar soll er dabei selbst verdient haben. Er hält sich mit einem Studentenvisum legal in den USA auf und studiert an der Fairleigh Dickinson University.
Bei seiner ersten Festnahme am 19. Dezember gab Goswami gegenüber den Ermittlern an, er habe einen der Betrüger bei einer Beerdigung in Indien kennengelernt und nichts von illegalen Aktivitäten gewusst. Die Strafanzeige führt jedoch Textnachrichten, E-Mails und weitere Dokumente auf, die nach Auffassung der Ermittler belegen, dass er über das Vorgehen der Gruppe vollständig im Bilde war. So gab er dem bei der Beerdigung getroffenen Mann, der unter dem Namen „Black Tiger" auftrat, die Nummer eines Anwalts in New Jersey weiter, nachdem ein anderer Geldkurier festgenommen worden war.
Geldkuriere werden nach Angaben der Staatsanwaltschaft eingesetzt, um die Bewegung der Gelder zu verschleiern und zu tarnen. Für die Strafverfolgung wird es dadurch schwieriger, Herkunft und endgültiges Ziel der gestohlenen Summen nachzuvollziehen.
Sowohl Indien als auch die USA gehen verstärkt gegen Betrugszentren vor, die weltweit über technische Support-Betrügereien und ähnliche Vorwände Millionen abschöpfen. Indische Behörden durchsuchten kürzlich 76 Standorte im Land, denen der Betrieb solcher Support-Betrugsmaschen vorgeworfen wird; Hinweise dazu kamen von Amazon und Microsoft. Im Mai bekannten sich zudem zwei Männer schuldig, an einem in Indien angesiedelten technischen Support-Betrug zulasten US-amerikanischer Bürger mitgewirkt zu haben.
