Laut einem Dokument der Staatsanwaltschaft des Bezirks Keelung unterliegt jeder Verkauf von High-End-KI-Servern durch Nvidia einem strengen Prüfverfahren. KI-Server sind die Rechnerinfrastruktur, in der die für KI-Systeme benötigten Chips untergebracht sind. Ab einer Abnahme von mehr als acht solcher Server müssen Firmenmitarbeiter zudem Vor-Ort-Prüfungen bei den Kunden durchführen.

Die Ermittler benennen als Kern des Falls Grafikprozessoren des Typs „B300", die nicht nach China verkauft werden dürfen. 74 Server kamen den Angaben zufolge erfolgreich in China an: 50 wurden über Indonesien geleitet, 16 direkt nach China geliefert, acht zunächst nach Japan und dann über Hongkong nach Festlandchina gebracht. Ein weiterer Versuch mit 56 Servern misslang; diese Systeme verbleiben in Taiwan.

Einige der Beschuldigten sollen in Japan eine Firma gegründet haben, über die der Transfer von acht Servern gelang. Andere sollen gefälschte Webseiten aufgesetzt und Angaben verfälscht haben, um die Exportbeschränkungen zu umgehen.

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Für vier der neun Angeklagten verlangt die Staatsanwaltschaft die maximale Strafe von fünf Jahren. Dazu zählt ein nur mit dem Familiennamen Chang benannter Nvidia-Manager. Er sei die „Schlüsselfigur" gewesen und habe „die Freigabe der B300-GPUs autorisiert"; nach der Tat habe er zudem eine „deutlich schlechte Haltung" gezeigt, heißt es in dem Dokument.

Nvidia-Sprecher Patrick Rutherford erklärte schriftlich, das Unternehmen werde mit den taiwanischen Behörden zusammenarbeiten, um bei der möglichst schnellen Klärung der Vorwürfe zu helfen. Super Micro teilte ebenfalls schriftlich mit, die Festnahmen zweier früherer Beschäftigter seien auf die eigene Kooperation mit den taiwanischen Behörden zurückzuführen; man werde weiter daran arbeiten, das eigene Exportkontroll-Programm zu stärken, um „amerikanische Innovation zu schützen".

Der Fall ordnet sich in die seit Jahren verschärfte US-Exportkontrollpolitik ein. Seit 2022 beschränkt Washington die Ausfuhr fortschrittlicher Nvidia-Chips nach China und zog die Regeln in den Folgejahren weiter an. Im April 2025 wurden Lizenzen für Exporte der H20-Chips nach China vorgeschrieben, später im Jahr wurden Teile dieser Verkäufe wieder erlaubt.