Der Schwerpunkt der Festnahmen lag in Südafrika: Ermittler durchsuchten sieben Objekte in Johannesburg, die einer Gruppe zugerechnet werden, die mit Romance- und Investmentbetrug gezielt ältere Menschen in englischsprachigen Ländern ansprach. Bei den Razzien wurden 39 Personen festgenommen und rund 2,7 Millionen Dollar sichergestellt.

In Rumänien nahmen die Behörden elf Personen fest, denen vorgeworfen wird, über ein Callcenter einen Betrug mit angeblichen Kryptowährungsinvestitionen betrieben zu haben. In elektronischen Wallets, die von der rumänischen Struktur kontrolliert wurden, entdeckten die Ermittler 166 Millionen Dollar an gestohlenen und gewaschenen Geldern. Beschlagnahmt wurden dort rund 379.000 Dollar sowie mehrere Immobilien und Luxusuhren.

In Argentinien führte die Spur zu einem Netzwerk nach dem Modell Crime-as-a-Service: 196 Personen sollen Website-Domains bereitgestellt und Geldwäsche für westafrikanische Gruppen der organisierten Kriminalität abgewickelt haben, darunter Black Axe. Diese Bande versuchen internationale Strafverfolger seit mehr als fünf Jahren zu zerschlagen. 17 Beschuldigte wurden in Argentinien festgenommen.

Anzeige

In Italien identifizierten die Ermittler zusätzlich einen Geldwäscher, der Briefkastenfirmen, Überweisungsdienste und Bargeldabhebungen genutzt haben soll.

Interpol-Direktor Tomonobu Kaya sagte, die Behörden hätten illegale Finanzströme über Ländergrenzen hinweg verfolgen können, was sie zum „Lebenselixier der organisierten Kriminalität" geführt habe. Nach Einschätzung der Organisation entfällt auf Gruppen wie Black Axe ein erheblicher Anteil des weltweiten cybergestützten Finanzbetrugs — vor allem über Liebesbetrug, Krypto- und Investmentbetrug sowie Business E-Mail Compromise, daneben aber auch über andere schwere und gewalttätige Delikte.

Jenseits von Festnahmen und Beschlagnahmen verweist Interpol auf beunruhigende Entwicklungen im Vorgehen der Täter. Dazu zählt vor allem die Zunahme von Sextortion gegen Minderjährige, teils erst 14 Jahre alt. Die Gruppen sprechen Kinder über soziale Netzwerke oder Gaming-Plattformen an, bauen Vertrauen auf und drängen sie dazu, intime Aufnahmen von sich zu teilen. Anschließend drohen sie mit der Veröffentlichung, sollte kein Lösegeld gezahlt werden.

Operation Jackal ist eine über Jahre laufende Initiative, die kriminelle Strukturen in Dutzenden Ländern stören soll. Im Rahmen der dritten Phase wurden 2024 mehr als 300 Personen in Westafrika, Argentinien und weiteren Regionen festgenommen. Zuletzt nahmen Schweizer und deutsche Behörden im April bei Razzien in beiden Ländern zehn mutmaßliche Black-Axe-Mitglieder fest.

Die aktuelle Phase Jackal IV konzentrierte sich laut Interpol darauf, Geldwäschenetzwerke zu stören, hochrangige Ziele zu identifizieren, Vermögenswerte einzuziehen und lokale Festnahmen zu unterstützen.