Die Beschuldigten sollen vertrauliche und sensible Dokumente von Google und anderen Technologieunternehmen abgezogen haben, darunter Geschäftsgeheimnisse zu Prozessorsicherheit, Kryptografie und weiteren Technologien. Diese seien an nicht autorisierte Drittstellen und private Orte übertragen worden – unter anderem auf Arbeitsgeräte, die mit den Arbeitgebern der jeweils anderen verbunden waren, sowie in den Iran.

Die Namen von Company 2 und Company 3 wurden nicht offengelegt. Nach Recherchen von The Hacker News arbeitete Soroor Ghandali als Hardware-Engineer-Praktikantin bei Google, bevor sie zu Intel ging; Khosravi war bei Qualcomm als ASIC-Design-Engineer beschäftigt.

Gegenüber Bloomberg erklärte ein Google-Sprecher, das Unternehmen habe seine Schutzvorkehrungen für vertrauliche Informationen verstärkt und nach Entdeckung des Vorfalls umgehend die Strafverfolgungsbehörden informiert. Die betroffenen Geschäftsgeheimnisse bezogen sich auf den Tensor-Prozessor für die Pixel-Smartphones.

Laut DoJ übertrug Samaneh Ghandali Hunderte Dateien, darunter Google-Geschäftsgeheimnisse, auf eine Kommunikationsplattform eines Drittanbieters – konkret in Kanäle, die jeweils die Vornamen der Beschuldigten trugen. Auch Soroor Ghandali soll während ihrer Tätigkeit für Google zahlreiche Dateien mit Geschäftsgeheimnissen in dieselben Kanäle abgezogen haben. Die Dateien wurden anschließend auf verschiedene private Geräte kopiert, ebenso auf ein Arbeitsgerät von Khosravi und ein Soroor Ghandali von Company 3 zur Verfügung gestelltes Arbeitsgerät.

Um ihr Vorgehen zu verschleiern, reichten die Beschuldigten dem DoJ zufolge falsche, unterschriebene eidesstattliche Erklärungen ein, löschten die abgezogenen Dateien von elektronischen Geräten und fotografierten Bildschirminhalte manuell ab, statt die Dokumente über die Messaging-App zu übertragen. Nachdem Googles interne Sicherheitssysteme die Aktivitäten von Samaneh Ghandali erkannt und Google ihr im August 2023 den Zugang zu Unternehmensressourcen entzogen hatte, soll sie eine eidesstattliche Erklärung unterschrieben haben, in der sie versicherte, keine vertraulichen Informationen von Google an Personen außerhalb des Unternehmens weitergegeben zu haben.

Darüber hinaus suchten Samaneh Ghandali und Khosravi online und auf Webseiten nach Informationen zum Löschen von Kommunikation und anderen Daten. Dazu gehörten Anfragen, wie lange ein Mobilfunkanbieter “Nachrichten zum Ausdrucken für das Gericht” speichert. Das Paar soll über Monate hinweg weiterhin auf Geräten gespeicherte Google-Geschäftsgeheimnisse zugegriffen haben, um Hunderte Bildschirme mit sensiblen Informationen von Google und Company 2 manuell abzufotografieren.

In der Nacht vor der Abreise des Paares in den Iran im Dezember 2023 soll Samaneh Ghandali zudem rund 24 Fotos von Khosravis Arbeitsrechner mit Company-2-Geschäftsgeheimnissen aufgenommen haben. Auf diese Aufnahmen wurde später von einem Gerät aus zugegriffen, das im Iran mit Samaneh Ghandali in Verbindung steht.

Im Fall einer Verurteilung droht jedem Beschuldigten für jeden Anklagepunkt wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft und 250.000 US-Dollar Geldstrafe sowie für den Punkt der Justizbehinderung bis zu 20 Jahre Haft und ebenfalls 250.000 US-Dollar. Der Fall folgt weniger als einen Monat nach der Verurteilung eines weiteren früheren Google-Ingenieurs, Linwei Ding, der in den USA Tausende vertrauliche Dokumente des Unternehmens gestohlen hatte, um in China ein Start-up aufzubauen.