Meta hatte die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Instagram-Direktnachrichten erstmals 2021 erprobt. Wenige Wochen nach Beginn des russisch-ukrainischen Krieges im Februar 2022 stellte das Unternehmen die verschlüsselten Direktnachrichten allen volljährigen Nutzern in beiden Ländern zur Verfügung. Aktuell ist die Funktion nur in einigen Gebieten nutzbar und standardmäßig nicht eingeschaltet.
In seinem Hilfedokument erklärt der Konzern, betroffene Nutzer erhielten Anweisungen, wie sie behaltenswerte Medien und Nachrichten herunterladen können. Bei älteren App-Versionen kann zuvor ein Update nötig sein, bevor sich die betroffenen Chats sichern lassen.
Die Ankündigung erfolgt wenige Tage, nachdem TikTok mitgeteilt hatte, keine E2EE für Direktnachrichten auf der eigenen Plattform einführen zu wollen. Gegenüber BBC News begründete das Unternehmen dies damit, die Technik mache Nutzer weniger sicher; man wolle insbesondere junge Menschen vor Schaden schützen.
Kürzlich berichtete zudem Reuters, Meta habe trotz interner Warnungen aus dem Jahr 2019 an der Einführung verschlüsselter Nachrichtendienste in Facebook und Instagram festgehalten. Die Warnungen besagten, dass die Verschlüsselung die Fähigkeit des Unternehmens beeinträchtigen würde, illegale Aktivitäten wie Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs (CSAM) oder terroristische Propaganda zu erkennen und an Strafverfolgungsbehörden zu melden.
Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gilt als Gewinn für den Datenschutz, da nur die kommunizierenden Nutzer Nachrichten entschlüsseln und lesen können. Dienstanbieter, Angreifer und andere Dritte bleiben damit vom Zugriff auf die Daten ausgeschlossen.
Strafverfolgungsbehörden und Vertreter des Kinderschutzes argumentieren dagegen, die Technik schaffe einen geschützten Raum für Kriminelle, weil sie Unternehmen daran hindere, gerichtlichen Anordnungen zur Herausgabe von Nachrichteninhalten nachzukommen – ein Problem, das als “Going Dark”-Phänomen bezeichnet wird.
In diesem Jahr will die Europäische Kommission eine Technologie-Roadmap zur Verschlüsselung vorlegen. Damit sollen Lösungen identifiziert und bewertet werden, die Strafverfolgungsbehörden einen rechtmäßigen Zugang zu verschlüsselten Daten ermöglichen und zugleich Cybersicherheit und Grundrechte wahren.
