Die Samples, die es nie in produktive Umgebungen schafften, teilt Unit 42 in drei Gruppen. Die größte besteht aus Proof-of-Concept-Code, der eine Technik demonstrieren soll: konfiguriert für ausschließlich lokale oder private Netze, gespickt mit Debug-Ausgaben, die kein echter Angreifer zurücklassen würde, und einmalig von einem Forschungslabor oder einer Universität hochgeladen.
Eine zweite Gruppe stammt von Organisationen, die ihre eigenen Abwehrmechanismen gegen bereits bekannte KI-Malware testen – erkennbar an wiederholten Uploads derselben Datei aus derselben Quelle innerhalb kurzer Zeit. Die dritte Gruppe nutzt KI-Branding rein als Köder: gewöhnliche Schadfunktionen, verpackt als Installationsprogramme bekannter KI-Produkte, ohne jede tatsächliche KI-Funktionalität.
Die 12 Samples, die tatsächlich auf produktiven Endpunkten landeten, verteilten sich auf fünf Malware-Familien in drei Ländern, ohne Häufung in einer bestimmten Branche oder Region. Am häufigsten vertreten war FunkSec, eine Ransomware-Variante, die mehrere Forscher mit LLM-Unterstützung in Verbindung gebracht haben. In den analysierten Samples eingebettete interne Projektdateinamen zeigen einen Entwickler, der für dieselbe Ransomware mehrere Namen durchprobiert – ein Tempo, das laut Unit 42 eher zu promptgesteuerter Generierung passt als zu einem klassischen Entwicklungszyklus.
Das mit Abstand am weitesten verbreitete Sample war ein Installationsprogramm, das sich als Rezept-App namens Recipe Lister ausgab. Es trug eine digitale Signatur und startete nach der Installation unbemerkt eine Backdoor. Die Datei verbreitete sich über mehr als 50 Organisationen und erzeugte rund 6.500 Endpunkt-Datensätze sowie etwa 9.600 Alarme. Die Signatur wehrte zunächst Verdacht ab; ein ungewöhnlicher Signaturgeber in Kombination mit stark gepacktem Dateiinhalt führte schließlich zur Entdeckung.
Eine weitere Variante, die Oyster-Backdoor, gab sich als Dropbox-Installer aus und führte eine Signatur, die Dropbox als Herausgeber auswies. Angreifer griffen laut Unit 42 zunehmend auf KI-Werkzeuge zurück, um solchen Auslieferungscode zu erzeugen – schneller und billiger lasse sich so ein erster Zugang schaffen.
Eine separate ausführbare Windows-Datei lieferte den Infostealer Rhadamanthys samt aktiver Command-and-Control-Kommunikation aus; frühere Berichte hatten diesen Fall mit einer KI-gestützten Infektionskette in Verbindung gebracht. Das fünfte Sample gab sich als Komponente des chinesischen Sicherheitsprodukts 360 Total Security aus und nutzte COM-Hijacking zur Persistenz. Unit 42 nahm es in den Datensatz auf, weil es in Kampagnen auftauchte, die zusammen mit KI-Ködern ausgeliefert wurden – obwohl sein eigenes Verhalten nicht von KI abhing.
Nach Angaben von Unit 42 erfassten die vorhandenen Abwehrmechanismen jedes Sample mit denselben Methoden, die auch konventionelle Malware aufspüren: Sandbox-Detonation, verhaltensbasierte Erkennung, Auffälligkeiten in digitalen Signaturen sowie Messungen des Pack- und Verschlüsselungsgrads einer Datei. Für keines der KI-verknüpften Samples war eine neue Erkennungsmethode nötig, um es zu identifizieren und zu blockieren.
