Das Nationale Zentrum für Nuklearforschung (NCBJ) in Polen hat diese Woche bestätigt, dass seine IT-Infrastruktur das Ziel eines Cyberangriffs wurde. Nach Angaben der Institution wurden die Angreifer jedoch von mehrschichtigen Sicherheitssystemen und internen Verfahren gestoppt, bevor diese Zugang zu kritischen Systemen erlangen konnten. Die schnelle Reaktion der IT-Sicherheitsteams ermöglichte es, die angegriffenen Systeme rasch zu sichern und die Systemintegrität zu wahren. NCBJ-Direktor Professor Jakub Kupecki versicherte, dass der Nuklearreaktor MARIA – Polens einziger Reaktor für wissenschaftliche Experimente und Neutronenforschung – unbeeinflusst von dem Angriff weiterhin sicher im Vollbetrieb läuft. Die Behörden wurden informiert und eine Ermittlung eingeleitet.
Obwohl das NCBJ keine offizielle Zuschreibung vornahm, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass polnische Behörden Indikatoren gefunden haben, die auf eine iranische Verantwortung hindeuten. Allerdings sind die Ermittler vorsichtig, da diese Spuren möglicherweise False Flags darstellen könnten. Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz betonte kürzlich, dass sein Land sich nicht am Konflikt im Nahen Osten beteiligt.
Dieser Angriff ist der neueste in einer Serie von Cyberattacken auf polnische Infrastrukturen. Im Januar dieses Jahres wurde bekannt, dass die russische Bedrohungsgruppe APT44 (auch als “Sandworm” bekannt) mehrere Teile des polnischen Stromnetzes angegriffen hatte – darunter dezentrale Energieressourcen (DER), Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (CHP) sowie Wind- und Solarenergieverteilungssysteme. Ein Bericht des ICCT aus dem Februar stufte Polen als hochpriorisiertes Ziel für russische Cyberakteure ein, mit 31 bestätigten Vorfällen zwischen Mitte 2025 und Anfang 2026.
Die zunehmenden Cyberangriffe auf polnische Einrichtungen deuten auf eine erweiterte Bedrohungslage für kritische Infrastrukturen in Mitteleuropa hin. Besonders besorgniserregend ist die potenzielle Gefährdung von Kernforschungseinrichtungen, auch wenn in diesem Fall die Sicherheitsmaßnahmen erfolgreich waren. Das NCBJ hat daraufhin seine internen Sicherheitsteams in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, um schnell auf neue Bedrohungen zu reagieren.
