Der Datensatz, den ShinyHunters auf ihrer Darknet-Seite veröffentlicht hat, umfasst rund 50 GB. Troy Hunt, Gründer von Have I Been Pwned, hat das Archiv analysiert und den Vorfall auf die Kompromittierung der Databricks-Analyseplattform von Carhartt zurückgeführt — einer Cloud-Datenplattform, die klassisches Geschäftsreporting und Datenspeicherung in einer Architektur zusammenführt.

Betroffen sind laut Hunt mehr als 12,9 Millionen Carhartt-Konten. Zu den offengelegten Angaben zählen eindeutige E-Mail-Adressen, Namen, Telefonnummern und Postanschriften. Enthalten waren zudem “Millionen synthetischer Datensätze, die sich nicht auf reale Personen bezogen und aus dem Datenleck ausgeschlossen wurden”. In der geleakten Datenbank fand Hunt außerdem mehr als 15.000 Beschäftigte mit E-Mail-Adressen der Domain @carhartt.com.

Die Erpressergruppe selbst beschreibt die Beute breiter: Kompromittiert worden seien “Millionen Datensätze mit Kundendaten sowie eine große Menge sensibler Informationen und personenbezogener Daten von Mitarbeitern und Kunden, Kunden-Metadaten (Treueprogramm-Informationen) und weitere interne Unternehmensdaten”.

Anzeige

Die Veröffentlichung erfolgte nach eigenen Angaben, nachdem Carhartt eine Lösegeldforderung über 3,3 Millionen US-Dollar zurückgewiesen hatte. ShinyHunters zufolge teilte ein Verhandlungsführer des Unternehmens mit: “Nach sorgfältiger Prüfung und internen Gesprächen mit der Führungsebene haben wir entschieden, keine Verhandlungen oder weiteren Gespräche zu führen.”

Carhartt hat die Behauptungen bislang nicht bestätigt und auch keine Stellungnahme zu dem Vorfall abgegeben. Auf Nachfragen von BleepingComputer war zunächst kein Sprecher erreichbar. Das 1889 gegründete Unternehmen produziert Arbeits- und Freizeitkleidung an Standorten in Kentucky und Tennessee und beschäftigt über 3.000 Personen in den USA und Europa.

ShinyHunters ist im vergangenen Jahr durch eine Serie von Datendiebstählen aufgefallen. Die Gruppe wird mit Einbrüchen bei mehr als einem Dutzend Snowflake-Kunden sowie bei zahlreichen Anbietern von Drittanbieter-Integrationen in Verbindung gebracht. Zudem reklamierte sie Angriffe auf Hunderte Salesforce-Kunden für sich und gab an, in den Kampagnen rund um Salesforce Aura und Salesloft Drift mehr als 1,5 Milliarden Datensätze erbeutet zu haben.

Zuletzt bekannte sich die Gruppe zu einer Reihe von Einbrüchen bei mehr als 100 Organisationen, die auf Datendiebstahl-Angriffe über eine Zero-Day-Schwachstelle in Oracle PeopleSoft zurückgehen sollen. Zu den von ShinyHunters beanspruchten Opfern zählen unter anderem die Europäische Kommission, Google, Cisco, Match Group, PornHub, Vimeo, Rockstar Games, McGraw Hill, 7-Eleven, Carnival, Udemy und der Medizintechnikhersteller Medtronic.