Boston Scientific hat einen Cybersicherheitsvorfall bestätigt, der weit über eine lokale Störung hinausreicht: Der Angriff hat nach Darstellung des Unternehmens die globalen Abläufe des Medizintechnikkonzerns deutlich beeinträchtigt. Entdeckt wurde der Vorfall am 25. August, betroffen sind Teile der IT-Systeme.
Die unmittelbare Folge war ein Netzwerkausfall. „Der Vorfall hat den Zugriff auf bestimmte Betriebssysteme und Geschäftsanwendungen beeinträchtigt, einschließlich der Fähigkeit, Kundenaufträge zu bearbeiten und zu versenden“, heißt es in einer Stellungnahme, die das Unternehmen auf seiner Website veröffentlicht hat. Damit ist ausgerechnet jener Teil der Prozesskette betroffen, über den Kliniken und Ärzte mit Produkten versorgt werden.
Boston Scientific stellt Geräte und Therapien her, die vorwiegend in der Kardiologie, der Neurologie, der Onkologie und bei anderen interventionellen medizinischen Eingriffen verwendet werden. Einen Zeitplan für die vollständige Wiederherstellung der betroffenen Systeme konnte das Unternehmen nicht nennen.
Auch gegenüber der US-Börsenaufsicht hält sich der Konzern zurück. In einer SEC-Meldung erklärte Boston Scientific, die Untersuchung des Vorfalls sei im Gange; der vollständige Umfang, die Art und die Auswirkungen – einschließlich der operativen und finanziellen Folgen – seien noch nicht bekannt.
Offen bleibt vorerst, ob mit dem Angriff auch ein Datenabfluss verbunden war. Das Unternehmen selbst hat dazu keine Angaben gemacht. Bei Einbrüchen, die derart massive Betriebsstörungen verursachen, ist der Diebstahl personenbezogener und anderer sensibler Informationen allerdings kein ungewöhnlicher Begleitumstand.
Ebenso ungeklärt ist die Frage nach den Urhebern. Keine bekannte Cybercrime-Gruppe hat den Angriff auf Boston Scientific bislang für sich beansprucht – ein Umstand, der in den ersten Tagen nach einem Vorfall häufig auftritt, etwa weil Erpressungsverhandlungen noch laufen oder die Täter ihre Opfer erst später auf Leak-Seiten listen. Ob eine Ransomware- oder Erpressergruppe hinter dem Vorfall steht, wollte SecurityWeek beim Unternehmen erfragen; eine Antwort lag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht vor.
Für Boston Scientific liegt das Hauptproblem damit weniger in einer offengelegten Sicherheitslücke als in der Betriebsfähigkeit selbst: Solange Auftragsbearbeitung und Versand gestört sind, wirkt der Angriff direkt auf die Lieferfähigkeit des Konzerns durch. Wie lange dieser Zustand anhält, hat das Unternehmen ausdrücklich nicht prognostiziert.
