Die Angriffswelle gegen die norwegische Digitalisierungsagentur Digdir hält seit Montag an. Sprecher Are Kvistad sprach gegenüber der Associated Press vom bislang schwersten Angriff auf Digdir-Lösungen überhaupt. Betroffen waren mehrere digitale Verwaltungsdienste, unter anderem die zentrale Anmeldung, über die Bürgerinnen und Bürger mit einem einzigen Login auf verschiedene öffentliche Dienste zugreifen.

Technisch handelt es sich um Denial-of-Service-Angriffe: Die Angreifer richteten sehr große Datenmengen auf die Agentur, um deren Dienste zu blockieren. Trotz der Belastung sei es gelungen, die Angebote „praktisch die ganze Zeit über“ verfügbar zu halten, so Kvistad.

Die prorussische Gruppe Server Killers reklamierte den Angriff am Mittwoch in einem Telegram-Beitrag für sich, über den norwegische Medien breit berichteten. Als Begründung nannte die Gruppe die erneuerte Sicherheitskooperation Norwegens mit der Ukraine vom 23. August; sie erklärte, Norwegen den Cyberkrieg erklärt zu haben. Eine Stellungnahme norwegischer Stellen zu dieser Behauptung lag bis zum Redaktionsschluss nicht vor.

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Den politischen Hintergrund bildet ein Besuch von Ministerpräsident Jonas Gahr Støre in Kyjiw am Sonntag. Dort kündigte er an, Norwegen werde der Ukraine im dritten Jahr in Folge Mittel aus dem kommenden Staatshaushalt zur Verfügung stellen – 85 Milliarden norwegische Kronen beziehungsweise 9,2 Milliarden US-Dollar. Beide Länder vereinbarten zudem eine engere Zusammenarbeit bei Drohnentechnologie und weiteren Formen moderner Kriegführung.

Europaweit gilt seit dem Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine im Februar 2022 erhöhte Alarmbereitschaft, weil Moskau Sabotage und schädliche Aktivitäten auf dem Kontinent ausgeweitet hat. Nach Einschätzung von Behörden zielen die Angriffe darauf, die Unterstützung für die Ukraine zu untergraben, Angst und Zwietracht in europäischen Gesellschaften zu säen und Ermittlungsressourcen zu binden.

Norwegen war bereits zuvor betroffen: 2025 erklärten norwegische Behörden, russische Hacker steckten wahrscheinlich hinter einer mutmaßlichen Sabotage an einer Talsperre im Land. Dabei verschafften sich die Angreifer Zugang zu einem digitalen System, über das ein Ventil der Talsperre ferngesteuert wird, und öffneten es, um den Wasserdurchfluss zu erhöhen. Laut Polizei wurde damals auf Telegram ein dreiminütiges Video veröffentlicht, das das Bedienfeld der Anlage sowie ein Kennzeichen einer prorussischen Cyberkriminellengruppe zeigte.

Auch Dänemark machte Russland für Angriffe verantwortlich: Dänische Behörden führten Cyberattacken gegen Infrastruktur und Webseiten in den Jahren 2024 und 2025 auf Russland zurück. Die prorussische Gruppe Z-Pentest soll 2024 einen „zerstörerischen Angriff“ auf ein Wasserversorgungsunternehmen ausgeführt haben, eine weitere Gruppe – NoName057(16) – wird für einen Angriff auf dänische Webseiten im Vorfeld der Kommunalwahlen 2025 verantwortlich gemacht. Beide hätten Verbindungen zum russischen Staat.