Das Sicherheitsunternehmen ReliaQuest hat bestätigt, dass am 22. August 2026 einer seiner Mitarbeiter Ziel eines Social-Engineering-Angriffs wurde. Die Angreifer registrierten eine täuschend ähnliche Domain und stellten hinter einem Content Delivery Network eine gefälschte Single-Sign-on-Seite auf. Anschließend riefen sie mehrere Beschäftigte an und gaben sich jeweils namentlich als Mitglied des Sicherheitsteams aus. Ein Mitarbeiter gab sein Passwort ein und bestätigte die Push-Benachrichtigung, wodurch die Angreifer kurzzeitig eine Sitzung im Identitäts-Dashboard erhielten. Der Zugriff sei rein lesend gewesen, so das Unternehmen; keine Anwendungen oder Systeme seien erreicht, keine Kundendaten berührt worden. Eine Zuordnung nahm ReliaQuest nicht vor, verwies aber auf Übereinstimmungen mit dem Vorgehen von ShinyHunters und anderen Erpressergruppen — Anruf mit Identitätsvortäuschung, eine binnen einer Stunde registrierte und verbrannte Domain, eine Sammelseite hinter einem CDN, Missbrauch von MFA-Push und der schnelle Versuch, einen neuen Authenticator zu registrieren. ShinyHunters führt das Unternehmen inzwischen auf seinem Darknet-Portal.

Bei den Botnetzen fallen zwei Ansätze auf: Der C++-Loader Aeternum hat seine Steuerinfrastruktur laut Palo Alto Networks Unit 42 vollständig auf die öffentliche Polygon-Blockchain verlagert und schreibt Anweisungen direkt in Smart Contracts, die infizierte Geräte über öffentliche RPC-Endpunkte abrufen — samt VM-Erkennung und Virenscanner-Prüfung. Das AArch64-Linux-Peer-to-Peer-Botnet ToxNetV2 wiederum bindet laut Joe Security ein Sprachmodell ein: Der Controller sendet Host- und Botnet-Telemetrie an NVIDIA NIM (Modell z-ai/glm-5.2) und übersetzt Antworten in strukturierte Aktionen, die der Betreiber freigeben muss. Autonom ist das System nicht; freigegebene Aktionen reichen jedoch bis zu lokaler Befehlsausführung, SSH und einem Kompilierungsablauf. Das Botnet umfasst 17 Angriffsmodule.

Cisco Talos beschreibt das bislang undokumentierte Phishing-Framework „JWR", das Bezahl- und Login-Seiten großer Plattformen nachbildet. Statt Formulardaten nur zu protokollieren, hält es eine AES-CTR-verschlüsselte WebSocket-Verbindung zum Täter offen, der die Sitzung live steuert. Abgegriffen werden neben Zahlungsdaten auch Ausweisdokumente, Sozialversicherungsnummern, Pass- und Führerscheinbilder, PayPal-Zugangsdaten, 2FA-Codes und Geräte-Fingerabdrücke. Talos ordnet JWR als Variante der Phishing-as-a-Service-Plattform The Outsider ein.

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Neu sind zudem der Android-Betrugsbot Octagon, den iVerify beim russischsprachigen Akteur AndroidKitKat für 1.400 Dollar monatlich beworben sah — mit Overlays, verstecktem VNC, SMS- und OTP-Abfang sowie Erfassung des Entsperrmusters —, die Rust-Backdoor C2Looper (Zscaler ThreatLabz, entdeckt im Juli 2026, ausgeliefert über eine mehrstufige ClickFix-Kette), der RAT CNCMachineRMS via BabaDeda Loader (LevelBlue) sowie die Stealer Phantom Stealer, Salat Stealer, Vanta Stealer, DARTHVADER, DestinyStealer und ScarfaceStealer.

Cymulate meldet eine Schwachstelle in Microsoft Purview: Eine einzelne externe Teams-Nachricht, E-Mail oder Copilot-Eingabe konnte Schadcode in die authentifizierte Browsersitzung eines Compliance-Prüfers tragen; im Proof of Concept verließen Zugriffs- und Refresh-Token den Browser. Microsoft hat serverseitig nachgebessert. Pillar Security dokumentiert die Lieferkettenkampagne Deadbugz, die über GitHub-Pull-Requests einen bösartigen MCP-Server verteilt: Nach drei regulären Werkzeugaufrufen ändert er seine Anweisungen und weist den KI-Agenten an, SSH-Schlüssel, AWS-Zugangsdaten, Shell-Verlauf und Kubernetes-Konfiguration zu suchen und die Aktivität zu verbergen.

Defused Cyber beobachtete Angriffe auf die SharePoint-Lücken CVE-2026-55040 (Authentifizierungsumgehung in der JWT-Validierung) und CVE-2026-63520 (unzureichende Eingabeprüfung mit Codeausführung) gegen eigene Honeypots — laut Bericht mit umfangreicher Admin-Enumeration, aber bisher ohne beobachtete Codeausführung. Ungepatcht bleibt eine Zero-Day-Lücke in der Boot-Kette von HP ThinPro 8 und 9, über die Angreifer mit physischem Zugriff laut AmberWolf die TPM-gestützte Festplattenverschlüsselung umgehen und LUKS-Schlüssel auslesen können.