Die australische Bundespolizei hat zwei junge Männer festgenommen, die sie der berüchtigten Cybercrime-Gruppe TeamPCP zurechnet. Ruben Ian Thomson (21) und Louis Michael Gaebler (23) wurden in Perth gefasst und angeklagt. Bei der Identifizierung der Verdächtigen arbeiteten australische und US-amerikanische Behörden zusammen.
Die Anklage gegen Thomson umfasst fünf Deliktarten aus den Bereichen Computereinbruch und Geldwäsche. Für jeden Anklagepunkt drohen ihm zwischen drei und 20 Jahren Haft. Gaebler wird Computereinbruch vorgeworfen; die schwerwiegendsten Punkte sind mit einer Höchststrafe von fünf Jahren bewehrt. Den Ermittlern zufolge soll das Syndikat finanzielle Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht haben.
Im Zentrum der Vorwürfe stehen Angriffe auf Software-Lieferketten und auf Sicherheitswerkzeuge, die Entwickler täglich einsetzen. Betroffen waren unter anderem Trivy von Aqua Security, KICS von Checkmarx sowie LiteLLM auf PyPI. Über die manipulierten Komponenten sollen die Täter mehr als 500.000 Unternehmenszugangsdaten aus kompromittierten CI/CD-Pipelines abgesaugt haben.
Das Vorgehen beschreiben die Ermittler als systematische Zweckentfremdung von Entwicklungsinfrastruktur: Durch die Übernahme automatisierter Build-Abläufe und populärer Paket-Registries verwandelte die Gruppe Software-Pipelines von Unternehmen in Netzwerke zum Absaugen von Daten. Die erbeuteten Cloud-Zugangsschlüssel und Infrastruktur-Geheimnisse flossen anschließend an Erpressungs- und Ransomware-Gruppen weiter.
Zur Automatisierung setzte TeamPCP den Wurm Mini Shai-Hulud ein, wahrscheinlich auch den ursprünglichen Shai-Hulud. Damit ließ sich der Diebstahl von Zugangsdaten und die Selbstverbreitung über Paket-Registries in großem Maßstab betreiben.
Nach Angaben der australischen Polizei exfiltrierte die Gruppe mindestens 300 Gigabyte Daten von mehr als 1.000 Organisationen weltweit. Ermittler beschlagnahmten Geräte von Thomson und Gaebler und versuchen nun zu klären, welche Summen die beiden mit ihren mutmaßlichen Aktivitäten erwirtschaftet haben.
„Eine große Menge sichergestellter Daten wird forensisch ausgewertet, die Ermittlungen dauern an. Weitere Festnahmen und Anklagen sind nicht ausgeschlossen“, teilte die australische Bundespolizei am Donnerstag mit.
