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Cyberattacken auf Nonprofit-Organisationen: Wer schützt die Helfer?

Cyberattacken auf Nonprofit-Organisationen: Wer schützt die Helfer?
Zusammenfassung

Gemeinnützige Organisationen sind häufig das Ziel von Cyberangriffen, doch viele verfügen über unzureichende Schutzmaßnahmen. Sie bewahren sensible Daten wie Informationen über hilfsbedürftige Menschen auf, werden aber aufgrund mangelnder Ressourcen und fehlender IT-Sicherheitsfachkräfte von Hackern gezielt angegriffen. Das Problem wird durch eine unzureichende Berichterstattung über Vorfälle verschärft, weshalb das tatsächliche Ausmaß der Bedrohung schwer zu erfassen ist. Sicherheitsexperten argumentieren, dass Nonprofits als kritische Infrastruktur zu betrachten sind – insbesondere in Krisensituationen wie Naturkatastrophen. Doch große Softwareanbieter ignorieren sie oft bewusst, da sie finanziell unrentabel sind. In Deutschland könnte dies deutsche Wohlfahrtsverbände, Stiftungen und Hilfsorganisationen betreffen, die mit begrenzten Budgets arbeiten. Während sie ihre Missionen erfüllen wollen, werden sie durch unzureichende Cybersicherheit verwundbar. Besonders problematisch ist, dass viele Nonprofits bei der Einführung neuer Technologien wie KI-Tools die richtigen Sicherheitsfragen nicht stellen und dabei ihre Daten gefährden. Eine Lösung erfordert nicht nur bessere Sicherheitspraktiken und Schulungen, sondern auch ein Umdenken von Sicherheitsprofis und Anbietern, die Nonprofits mit angemessener Unterstützung und einer an ihre Bedürfnisse angepassten Perspektive helfen müssen.

Die Cybersicherheitslage bei gemeinnützigen Organisationen ist prekär. Während Millionen von Menschen von ihrer Hilfe abhängen – besonders in Notfällen und Katastrophen – operieren diese Institutionen mit erheblichen Sicherheitsdefiziten. Das zentrale Problem: Nonprofits verfügen weder über die finanziellen Mittel noch über spezialisiertes Personal, um sich gegen immer raffiniertere Angriffe zu verteidigen.

Wendy Nather, Senior Research Initiatives Director bei 1Password, bringt es auf den Punkt: “Nonprofits sind kritische Infrastruktur – genauso wie andere Wirtschaftssektoren. Aber sie erhalten weder die Aufmerksamkeit noch die Ressourcen und Unterstützung, die sie bräuchten.” Diese Sicht wird von Sicherheitsexperten wie Kelley Misata, CEO von Sightline Security, und Diana Kelley, CISO bei Noma Security, geteilt.

Ein besonderes Dilemma zeigt sich beim Thema künstliche Intelligenz. Nonprofits nutzen gerne kostenlose KI-Tools wie Claude.ai, weil sie entsprechende Rabatte anbieten. Doch Misata warnt: Die kostenlosen Versionen verwenden oft Nutzerdaten zum Training ihrer Modelle – ein erhebliches Datenschutzrisiko. Viele Organisationen fragen nicht die richtigen Fragen: Brauche ich dieses Tool? Ist es sicher? Das Ergebnis: Sie kaufen “das Tool des Tages”, ohne echte Sicherheitsdefizite zu beheben.

Doch auch zu viel Hilfe kann problematisch sein. Dave Lewis, Global Advisory CISO bei 1Password, und andere Experten warnen davor, dass finanzielle oder technische Zuschüsse überwältigend wirken können – besonders wenn das Fachpersonal fehlt, um diese Lösungen korrekt zu implementieren und zu überwachen.

Ein weiterer kritischer Faktor ist die wirtschaftliche Realität: Große Sicherheitsanbieter ignorieren Nonprofits oft bewusst, da sie kein lukratives Geschäftsmodell darstellen. Gleichzeitig können gemeinnützige Organisationen kaum Fachkräfte halten – diese wechseln schnell zu besser bezahlten Positionen in der Privatwirtschaft.

Die Experten betonen ein fundamentales Umdenken: Nonprofits sollten nicht als homogene “arme” Zielgruppe betrachtet werden. Sie unterscheiden sich in Branchen (Gesundheit, Finanzen), Missionen und Risikoprofilen erheblich. Ein maßgeschneiderter, respektvoller Ansatz ist notwendig.

Misata fasst die Forderung zusammen: “Man muss mit Organisationen in Kontakt treten und sie verstehen.” Einige große Unternehmen wie Microsoft investieren bereits in Unterstützung. Doch es braucht ein grundlegendes Verständnis: Die Mission der Nonprofits kommt vor der Sicherheit – und dieser Realität müssen sich Experten stellen, anstatt unrealistische Standards zu fordern.