Gegen Thomson aus dem Perther Vorort Cottesloe werden acht Anklagepunkte erhoben, darunter unbefugte Veränderung von Daten, das Beschaffen und Besitzen von Daten zur Begehung einer Computerstraftat, der Umgang mit Erträgen aus Straftaten im Wert von 100.000 Dollar oder mehr sowie die Weigerung, einer Anordnung zur Herausgabe von Gerätepasswörtern nachzukommen. Gaebler aus Mandurah sieht sich sechs verwandten Anklagepunkten gegenüber. Die australischen Behörden gehen davon aus, dass beide „Hauptbeteiligte" des TeamPCP-Syndikats waren und für ihre Rollen in Kryptowährung bezahlt wurden.
An den Ermittlungen waren neben der Australian Federal Police auch die Western Australia Police Force und das FBI beteiligt. Brett Leatherman, stellvertretender Direktor der Cyber Division des FBI, erklärte, die Männer seien Mitglieder von TeamPCP gewesen, „deren Schadcode potenziell mehr als tausend Organisationen weltweit kompromittiert hat".
Die Gruppe hat seit März eine Reihe von Angriffen auf die Software-Lieferkette durchgeführt und dabei häufig Entwicklerwerkzeuge ins Visier genommen, darunter TanStack, Trivy und LiteLLM. Zu den nachgelagert Betroffenen zählen die Europäische Kommission und GitHub. Beim Angriff auf LiteLLM — ein quelloffenes Python-Paket, das in Systemen für künstliche Intelligenz weit verbreitet ist — wurde zunächst befürchtet, dass Zehntausende Unternehmensumgebungen betroffen sein könnten.
Australische Ermittler beziffern die Folgen der Kampagne auf mehr als 1.000 kompromittierte Organisationen weltweit, über 500.000 offengelegte Zugangsdaten und den Diebstahl von mindestens 300 Gigabyte an Daten. Die weltweiten Kosten der Schadensbehebung erreichen laut Polizei mehrere Hundert Millionen Dollar.
AFP-Commander Graeme Marshall äußerte sich zum jungen Alter der Beschuldigten: Die Polizei sehe „viele junge Täter im Bereich Cyberkriminalität", die „in einem digital geprägten Umfeld aufgewachsen sind und sich aus welchen Gründen auch immer für diesen Weg entschieden haben". Die Operation zeige den Wert grenzüberschreitender Zusammenarbeit; das Netzwerk aus Strafverfolgungs- und Industriepartnern bezeichnete er als „Kraftverstärker". Cybercrime-Syndikate seien zunehmend organisiert und arbeiteten oft wie professionelle Unternehmen, sagte Marshall, doch die Ermittler verfolgten „unnachgiebig jene Kriminellen, die digitale Anonymität ausnutzen, um unsere Gemeinschaft anzugreifen".
Ein großer Teil der beschlagnahmten Daten wird nach Angaben der Behörden noch ausgewertet; weitere Festnahmen wurden nicht ausgeschlossen. Im Fall einer Verurteilung und bei Verhängung des Höchststrafmaßes für jeden einzelnen Anklagepunkt drohen den beiden Männern zusammen 82 Jahre Haft — 56 Jahre für Thomson und 26 für Gaebler. In der Praxis werden Strafen für mehrere Delikte allerdings häufig parallel verbüßt.
