Die erste Schwachstelle, CVE-2026-76639, beruht laut Laflammes technischer Veröffentlichung auf einer Path-Traversal-Bedingung in chat_go, über die sich bashrunner erreichen lässt. Die Ausführung über bashrunner mündet in Codeausführung mit Root-Rechten auf dem Locomotion PC. Der Forscher stuft diesen Fehler als eigenständige RCE ein, nutzte ihn in seiner Demonstration aber zusätzlich als einen Baustein beim Vorführen der zweiten, separaten Kette.
Deutlich aufwendiger ist CVE-2026-76640, die in Bluetooth-Reichweite beginnt. Der anfängliche BLE-Schreibpfad akzeptiert die Bootstrap-Interaktion, ohne dass ein Bluetooth-Pairing stattgefunden hat. Das Bootstrap-Material selbst bleibt dabei geschützt, und die späteren Operationen zur WLAN-Einrichtung setzen den authentifizierten BLE-Zustand der Anwendung voraus.
An dieser Stelle kam während Laflammes Untersuchung die Cloud ins Spiel: Der Cloud-Dienst von Unitree akzeptierte für die Anfrage zur Schlüsselwiederherstellung ein gültiges Unitree-Konto, prüfte jedoch nicht, ob dieses Konto den angegebenen Roboter überhaupt besitzt. Über diese Autorisierungslücke ließ sich Schlüsselmaterial abrufen, das zu einem fremden G1 EDU gehörte. Mit dem so erlangten Schlüssel konnte der Forscher den authentifizierten BLE-Zustand herstellen, den die WLAN-Provisionierung verlangt.
In genau diesem Provisionierungscode dokumentierte Laflamme anschließend einen Pufferüberlauf, der wiederum Root-Ausführung auf dem Locomotion PC ergab. Seinen Test zur Ausbreitung von einem Gerät auf ein weiteres beschränkte er auf zwei G1-Roboter in einem Raum.
Nach Angaben des Forschers hat Unitree die fehlende Eigentumsprüfung im Juli 2026 korrigiert; dieser Fix unterbindet den in der Veröffentlichung gezeigten Proof-of-Concept-Ablauf. Zum Stand der Offenlegung am 27. August 2026 setzt der cloudgestützte Weg deshalb voraus, dass das verwendete Konto an den anvisierten G1 gebunden ist oder das benötigte Schlüsselmaterial bereits vorliegt.
Offen bleibt die Frage nach dem konkreten Patch-Stand. Weder für CVE-2026-76639 noch für CVE-2026-76640 ließ sich in öffentlich zugänglichen Unitree-Hinweisen eine als fehlerbereinigt bestätigte Firmware-Version ermitteln. Ebenso unklar ist die Reichweite der beiden Lücken über den G1 EDU hinaus: Unitree unterscheidet auf der offiziellen Produktseite zwischen G1 und G1 EDU als eigenständigen Modellen, eine Übertragbarkeit auf andere Roboter des Herstellers ist bislang nicht bestätigt.
The Hacker News hat Unitree um Auskunft zu den korrigierten Firmware-Versionen, zum betroffenen Produktumfang und zum aktuellen Stand der Behebung gebeten und will den Bericht bei einer Antwort aktualisieren.
