Die Police Intellectual Property Crime Unit (PIPCU) der City of London Police hat einen der nach eigener Darstellung bedeutendsten britischen Piraterie-Fälle der vergangenen Jahre abgeschlossen: Ein 68-Jähriger wurde zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt, weil er über Jahre hinweg einen illegalen IPTV-Dienst betrieb.
Nach den Ermittlungen der Einheit verkaufte Milan Ibrahim unerlaubte Übertragungen von Inhalten großer Rechteinhaber. Genannt werden BBC, ITV, Sky, die Premier League sowie die Motion Picture Association. Die Kundschaft saß sowohl in Großbritannien als auch im Ausland; die Polizei beschreibt das Vorgehen als „ausgeklügelte Operation".
Zur technischen Basis machte die City of London Police konkrete Angaben: „Die Ermittlungen ergaben, dass das Geschäft mit 80 Servern von Räumlichkeiten in Chorley aus betrieben wurde und über einen Zeitraum von drei Jahren 980.812 Pfund erwirtschaftet hat." Das entspricht rund 1,3 Millionen US-Dollar.
Bei den Vollstreckungsmaßnahmen griffen die Ermittler auf die gesamte Infrastruktur zu. „Im Zuge der Maßnahmen wurden alle 80 Server beschlagnahmt und abgeschaltet, was die Fähigkeit der Operation, illegale Streaming-Dienste bereitzustellen, erheblich beeinträchtigt hat", heißt es weiter. Die Polizei fand und schaltete alle Server ab, die sie im Rahmen der Aktion ausfindig machen konnte — die Streams der Nutzer brachen damit ab.
Die Beschlagnahme könnte auch für die Kundschaft Folgen haben: Aus den sichergestellten Systemen lassen sich möglicherweise Nutzer des Dienstes identifizieren, denen Geldstrafen oder andere Konsequenzen dafür drohen, dass sie Urheberrechtsverletzungen finanziert und daran teilgenommen haben.
Mit der Haftstrafe ist der Fall für Ibrahim nicht abgeschlossen. Nach Angaben der Polizei muss er sich zusätzlich Verfahren nach dem Proceeds of Crime Act stellen, die auf die Abschöpfung der mit dem Dienst erzielten Einnahmen zielen.
Stefan Sergot, Director of Legal Enforcement bei der Premier League, bezeichnete die Aktion der Strafverfolger als „bedeutend". Bei dem abgeschalteten IPTV-Angebot habe es sich um „einen der bekanntesten und am längsten bestehenden Anbieter von Piraterie-Diensten im Vereinigten Königreich" gehandelt.
Aus britischen Unternehmensregistern geht hervor, dass Ibrahim Direktor von CTU Systems war, einer inzwischen aufgelösten Firma, die IPTV-Software vermarktete. Eine Verbindung zwischen CTU Systems und dem in diesem Verfahren verhandelten illegalen Dienst haben die Behörden allerdings nicht hergestellt.
An der Aktion beteiligt war neben der PIPCU auch die Federation Against Copyright Theft (FACT). BleepingComputer hat beide um weitere Auskünfte zu dem illegalen IPTV-Dienst gebeten; Antworten standen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch aus.
