Anders als sonst üblich hat die Gruppe im Fall der ATF bisher keine Screenshots veröffentlicht, mit denen sie normalerweise belegt, welche Arten von Dokumenten sie bei ihren Opfern entwendet hat. Auch ein Zeitpunkt für eine mögliche Veröffentlichung gestohlener Dateien fehlt in dem Eintrag – bei anderen Opferankündigungen zeigt Qilin einen Countdown an, der das Datum der Datenfreigabe markiert.

Die ATF selbst hält sich in ihrer Stellungnahme eng an die technische Abgrenzung: Das kompromittierte System sei ein Einzelsystem gewesen, das separat vom Behördennetz betrieben werde. Nach der Entdeckung des Zugriffs sei es getrennt worden. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Vorfall das ATF-Enterprise-Netzwerk, das ATF-eForms-System oder ein anderes ATF-System betroffen hat", heißt es in der Mitteilung. Der Vorfall habe die Fähigkeit der Behörde, ihre Aufgaben wahrzunehmen, nicht beeinträchtigt.

Die Einstufung als „schwerwiegender Vorfall" durch ranghohe Vertreter des Justizministeriums ist dennoch bemerkenswert: Sie erfolgt nach den einschlägigen bundesbehördlichen Vorgaben und zieht Meldepflichten nach sich, die nach Angaben der ATF bereits erfüllt wurden. Die Untersuchung führt die Behörde gemeinsam mit dem Justizministerium.

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Qilin ist mindestens seit 2022 aktiv, anfangs unter dem Namen Agenda. Die Gruppe arbeitet nach dem Modell der doppelten Erpressung: Sie verschlüsselt Dateien und zieht zugleich sensible Informationen aus den Systemen der Opfer ab, um mit deren Veröffentlichung Druck aufzubauen.

Zuletzt hatte Qilin Aufmerksamkeit erregt, weil die Gruppe eine Zero-Day-Schwachstelle in einem VPN von Check Point für ihre Angriffe ausnutzte. Auf ihrer Leak-Website hat die Gruppe bislang mehr als 2.000 Opfer aufgelistet. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Betroffene Lösegeld zahlen und deshalb nie namentlich genannt werden.