In ihrer 59 Seiten langen Entscheidung hält Richterin Lin fest, dass die Maßnahmen der Regierung „auf dem Wunsch beruhten, an Anthropic wegen seiner ‚Arroganz‘ bei der Kritik an der Regierung ein öffentliches Beispiel zu machen, und nicht auf einer benennbaren Grundlage für die Annahme, dass Anthropic sein Modell tatsächlich sabotieren würde“. Weder die Verfassung noch das von der Regierung angeführte Bundesgesetz erlaube es, „umfassende Sanktionen im Wesentlichen auf Grundlage von Anthropics Kritik an den Ansichten der Administration zu verhängen“. Lin wurde vom früheren Präsidenten Joe Biden nominiert.

Bereits früher im Verfahren hatte die Richterin dem Pentagon vorläufig untersagt, das Unternehmen als Lieferkettenrisiko zu bezeichnen. Ebenso blockierte sie die Durchsetzung einer über Social Media verbreiteten Anweisung Trumps, nach der alle Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic und dessen Chatbot Claude einstellen sollten.

In einer Anhörung am 30. Juli nannte Lin die Position der Regierung „wirklich beunruhigend“; sie erscheine ihr „im Widerspruch zum Ersten Verfassungszusatz“ zu stehen. Nach ihrem Eindruck habe sich die Aktenlage im Laufe der Zeit „für die Regierung verschlechtert“.

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Anwälte des Justizministeriums argumentierten in derselben Anhörung, die Natur von KI-Modellen sei „so überwältigend groß und undurchsichtig“, dass das Verteidigungsministerium sie nicht in gleicher Weise bewerten könne wie ein physisches Stück Hardware. Anthropic-Anwalt Michael Mongan hielt dem entgegen, das Vorgehen der Regierung schade dem Unternehmen „tiefgreifend“ und drohe darüber hinaus, „Rede und Debatte zu einem sehr wichtigen Thema abzuschrecken“.

Ein Sprecher von Anthropic erklärte, man begrüße die Entscheidung: „Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, produktiv mit der Regierung zusammenzuarbeiten, um KI für unsere nationale Sicherheit nutzbar zu machen, damit alle Amerikaner von dieser Technologie profitieren.“

Parallel führt Anthropic ein zweites, enger gefasstes Verfahren, das beim Bundesberufungsgericht in Washington, D.C. noch anhängig ist. Dabei geht es um eine andere Regelung, mit der das Pentagon das Unternehmen als Lieferkettenrisiko einzuordnen versucht.

Der wichtigste Konkurrent von Anthropic in der Technologiebranche, der ChatGPT-Anbieter OpenAI, schloss nur wenige Stunden nach der Bestrafung von Anthropic seine eigene Vereinbarung über eine Zusammenarbeit mit dem Pentagon. Beide Unternehmen bereiten derzeit stark beachtete Börsengänge vor.