„Jackpotting-Banden ziehen durch das ganze Land. Die Strategie dieser Gruppe bestand darin, gezielt Automaten anzugreifen, die sie konstruktionsbedingt für besonders anfällig für Schadsoftware hielt“, erklärte US-Staatsanwalt Ryan Kriegshauser am Montag. Er verwies zugleich darauf, dass inzwischen Technik verfügbar sei, die solche Angriffe stoppen könne, und forderte Unternehmen auf, möglichst rasch darin zu investieren.

Das Ausmaß des Phänomens beziffert das FBI mit mehr als 1.900 registrierten Jackpotting-Vorfällen seit 2020, davon über 700 allein im Jahr 2025 mit Schäden von mehr als 20 Millionen Dollar. FBI-Direktor Kash Patel sprach von Verlusten von über 58 Millionen Dollar seit 2021.

Parallel zum Verfahren in Kansas verhängte ein Bundesrichter in Omaha, Nebraska, am 20. August eine Haftstrafe von acht Jahren gegen Juan Manuel Gouveia-Aguilera, 27. Nach Darstellung der Anklage gehörte er zu einer bekannten Bande, die mit der Schadsoftware Ploutus Millionenbeträge aus Hunderten Geldautomaten entwendete. Gouveia-Aguilera hatte sich zuvor unter anderem des Bankbetrugs und des Computerbetrugs schuldig bekannt; zusätzlich zur Haft folgen fünf Jahre Führungsaufsicht sowie Entschädigungszahlungen an die betroffenen Banken. Die Staatsanwaltschaft rechnet ihm Schäden von mehr als 3,5 Millionen Dollar zu.

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Typischerweise schließen die Täter dabei einen Laptop an die Festplatte des Automaten an oder tauschen diese gegen ein bereits mit Ploutus präpariertes Laufwerk aus. Oddry Arnoldo Cabrera Torrealba und Carlos Javier Padron erhielten kürzlich Strafen von jeweils sechseinhalb Jahren. Insgesamt wurden mindestens 119 Personen angeklagt; die Gruppe soll Automaten in 47 US-Bundesstaaten sowie in mehreren weiteren Ländern angegriffen haben.

„Gouveia-Aguilera und seine mutmaßlichen Mittäter dachten, sie könnten amerikanische Geldautomaten hacken, Finanzinstitute leerräumen und Geld an eine gewalttätige transnationale kriminelle Organisation weiterleiten, ohne Konsequenzen zu tragen. Sie haben sich geirrt“, sagte Rick Sabatini, leitender Sonderermittler von HSI Kansas City, am 21. August. Nach Darstellung von Assistant Attorney General A. Tysen Duva dienten die Jackpotting-Taten der Finanzierung gewalttätiger transnationaler Gruppen wie der venezolanischen Bande Tren de Aragua.

Die Bundesanwaltschaft versucht seit Längerem, die Angriffe mit Tren de Aragua zu verknüpfen. In der ursprünglichen Anklageschrift gegen Gouveia-Aguilera und Dutzende weitere Beschuldigte wird der Gruppe auch die Entwicklung von Ploutus zugeschrieben. FBI-Vertreter nannten gegenüber Recorded Future News Anibal Alexander Canelon Aguirre als mutmaßlichen Urheber der Schadsoftware. Mehrere Unternehmen, die Ploutus seit über einem Jahrzehnt beobachten, konnten gegenüber Recorded Future News allerdings weder bestätigen, dass Aguirre der tatsächliche Entwickler ist, noch dass es Verbindungen zu Tren de Aragua gibt.

Ploutus wurde 2013 erstmals von Symantec entdeckt und seither mehrfach weiterentwickelt. Nach Angaben von Google-Forschern handelt es sich um „eine der fortschrittlichsten Familien von Geldautomaten-Schadsoftware“, die sie gesehen haben. Erste Einsätze richteten sich 2013 gegen Automaten in Mexiko: Die Täter konnten die Geräte über eine extern angeschlossene Tastatur oder per SMS leeren – laut Google eine bis dahin unbekannte Technik. Betroffen waren Automaten verschiedener Hersteller, darunter Diebold Nixdorf und die Kalignite Platform. Diebold Nixdorf veröffentlichte 2017 und 2018 mehrere Warnungen zu Varianten der Schadsoftware, mit denen in Mexiko und den USA Geld gestohlen wurde.