VulnCheck hat nach eigenen Angaben laufende Angriffe auf zwei kritische Schwachstellen dokumentiert – eine in Langflow, eine in Ruby on Rails.
Bei Langflow verzeichnete das Unternehmen am 30. August 2026 innerhalb weniger Stunden mehr als 50 Erkennungen, eine Zahl, die bis Montag auf 360 angestiegen ist. “Die Angreifer scheinen eine Mischung aus Aufklärung und dem Sammeln von Zugangsdaten zu betreiben: Unter anderem fragen ihre Anfragen Umgebungsvariablen ab (LANGFLOW_SUPERUSER, OPENAI_API*, AWS_ACCESS*, AWS_SECRET*), lesen /root/.cache/langflow/secret_key aus und prüfen den .ssh-Zugang sowie die Größe der .bash_history”, erklärte Caitlin Condon, Vice President of Threat Research bei VulnCheck. Der Datenverkehr stamme überwiegend aus Russland und habe bislang ausschließlich Köder-Systeme (Canaries) im Vereinigten Königreich getroffen.
Insgesamt sind seit 2025 nach Zählung des Unternehmens bis zu zwölf Schwachstellen ausgenutzt worden, mit über 15.000 erfolgreichen Versuchen über CVE-2026-0769, CVE-2025-3248 und CVE-2026-5027. Die meisten verwundbaren Langflow-Hosts befinden sich in den USA, Deutschland, Malaysia, Brasilien und Indien.
In einem gegen die eigenen Köder-Systeme beobachteten Fall nutzten unbekannte Akteure CVE-2026-5027, um einen in Python geschriebenen Sammler für Zugangsdaten, Proxy-Agenten sowie SimpleHelp für den Fernzugriff abzulegen. In einem anderen Fall wurde CVE-2025-3248 verwendet, um die Maschine in ein Botnetz zum Schürfen der Kryptowährung XMR einzugliedern. “Anschließend deaktivierten sie auditd, was einen forensischen blinden Fleck erzeugte, und nutzten CVE-2026-0769 aus, um .sysd abzulegen”, so VulnCheck. Von dort habe der Angreifer nach weiteren Zielen gescannt – vermutlich, um den Mining-Betrieb auszuweiten – und sei zum nächsten Host weitergezogen.
Die Vorfälle verdeutlichen das gestiegene Interesse von Angreifern an KI-Entwicklungsplattformen, über die sich Zugangsdaten, Cloud-Umgebungen und angebundene Systeme erreichen lassen.
Parallel dazu registrierte VulnCheck aktive Ausnutzung von CVE-2026-66066 gegen eigene Köder-Systeme in Singapur, Israel und dem Vereinigten Königreich. Sicherheitsforscher Patrick Garrity schrieb auf LinkedIn, die Aktivität gehe von einer einzelnen IP-Adresse in Frankreich aus und baue eine Command-and-Control-Verbindung zu einem Host in Israel auf.
Die Angriffe setzen an einer Abweichung zwischen Active Storage und libvips beim Einlesen von Dateien an: Angreifer laden ein präpariertes Bild hoch. Voraussetzung ist, dass die betroffene Anwendung libvips für die Bildverarbeitung in Active Storage einsetzt und Uploads von nicht vertrauenswürdigen Nutzern akzeptiert. “Active Storage aktiviert immer jene libvips-Loader, die für nicht vertrauenswürdige Inhalte unsicher sind – jede Anwendung, die Varianten von Bild-Uploads mit dem Standardprozessor vips erzeugt, kann also dazu gebracht werden, einen bösartigen Upload zu laden”, so VulnCheck.
Besonders bemerkenswert: Bei einem Test mit einem gepatchten Server der Version 8.1.3.1 stellte VulnCheck fest, dass der Fix zwar das Dateilesen über libvips blockiert, die Marshal-Deserialisierung des Variations-Schlüssels aber nicht entschärft – das Gadget zur Codeausführung läuft bei gültiger Signatur weiterhin auch auf einem gepatchten Server. Anfang August identifizierte das Unternehmen mehr als 7.100 exponierte verwundbare Ruby-on-Rails-Instanzen.
