Sevii-CEO und Mitgründer Curt Aubley beschreibt den Ablauf so: „Wenn wir die AIDR-Erkennung erhalten, beginnen wir mit der Prüfung, ob es aus Sicht der Richtlinien gut oder schlecht ist oder ob es sich angemessen verhält.“ Anschließend werde sofort das gesamte benötigte Datenmaterial gesammelt — das Unternehmen nennt diesen Schritt „Hunt“. „Wir greifen all diese Daten ab und analysieren sie, um den Angriff rückwärts nachvollziehen und die nötigen Maßnahmen ergreifen zu können“, so Aubley.
Die Gegenmaßnahme kann entweder vollständig autonom erfolgen oder durch einen menschlichen Verteidiger ausgelöst werden. Aubley verweist auf die Grenzen dieser Option: „Ein Mensch in der Schleife mag von der heutigen Governance-Richtlinie verlangt werden. Aber man denke an den Schaden und die Geschwindigkeit, mit der abtrünnige OpenAI-Agenten Hugging Face angegriffen haben“, sagte er. „Siebzehn Sieben-Minuten-Aktionen. Es ist mathematisch unmöglich, dass ein Mensch damit Schritt hält.“
Ein Anwendungsfall betrifft ungewöhnlich große Datenabflüsse. Stellt das System während der Kontextsammlung ein hohes Datenvolumen fest, das das Kundennetz verlässt, folgt eine sofortige Abfrage: Ist das ein üblicher Vorgang? Wohin gehen die Daten? Handelt es sich um einen bekannten Command-and-Control-Server oder um Infrastruktur, die als bösartig eingestuft ist? Nach Darstellung des Anbieters ist auch Wissen berücksichtigt, das erst in den vergangenen 15 Minuten entstanden ist. Fließen Daten an einen gefährlichen Ort, gelte: „Wir werden diese Aktivität absolut sofort stoppen und autonom auch eine Wirkungsanalyse durchführen, um zu sehen, welche Daten abgeflossen sind und wie schnell wir sie gestoppt haben“, sagte Aubley.
Als Beispiel für den Standardablauf nennt Sevii einen kompromittierten Laptop. „Nehmen wir an, ein Mitarbeiter nutzt einen Laptop und verwendet dieselbe Identität und dasselbe Passwort für den Zugriff auf verschiedene Systeme wie SAP, Salesforce oder ServiceNow“, erläuterte Aubley. Melde die Erkennung, dass der Laptop kompromittiert ist und die Identität des Nutzers auffälliges Verhalten zeige — etwa Anmeldungen an Systemen, an denen sie sich nie zuvor angemeldet hat —, folge zunächst die Prüfung, ob es sich um einen echten Treffer handelt.
Danach setzt die Isolierung ein: „Wir isolieren den Laptop und deaktivieren das Konto, entfernen die Sitzungen dieses Kontos und zwingen die Person, ihr Passwort zurückzusetzen. Zuerst wird also der Identitätsteil gestoppt, damit der Angreifer sich nicht mehr an diesen anderen Systemen anmelden kann. Das stoppt die Ausbreitung. Wir verbinden uns sicher mit dem Laptop und entfernen die schädlichen Prozesse und Registry-Einträge und Ähnliches.“
Zum Abschluss wird die Isolierung aufgehoben: „Danach nehmen wir die Isolierung zurück. Wir führen eine abschließende Validierung durch und beobachten das System, um sicherzugehen, dass es sich nicht mehr merkwürdig verhält. Sind wir zufrieden, geben wir es an den Kunden zurück.“ Die Ausfallzeit bleibt nach Angaben des Unternehmens minimal.
