Die Stufe „kritisch" ist die Spitze der Cybersicherheitskategorie in OpenAIs Preparedness Framework — und wird nach Darstellung des Unternehmens erstmals von einem eigenen Modell erreicht. Ausschlaggebend sind zwei Kriterien: die Fähigkeit, Zero-Day-Schwachstellen in einer Vielzahl gut verteidigter Systeme eigenständig zu finden und auszunutzen, oder ein kompletter Angriff auf ein gehärtetes Ziel, der lediglich aus einer übergeordneten Anweisung abgeleitet wird.
Belegt wird die Einstufung mit mehreren Testergebnissen. Auf ExploitBench, einem Benchmark für die Umwandlung bekannter Schwachstellen in funktionsfähige Exploits, erreichte Astra die volle Punktzahl. In einer weiteren Auswertung, die erst kürzlich veröffentlichte Schwachstellen einbezog, stieß das Modell selbstständig auf zwei Zero-Days.
Hinzu kommen zwei Angriffsketten aus den Tests: Astra verließ eine Browser-Sandbox und führte Befehle auf dem zugrundeliegenden System aus. In einem zweiten Szenario verband es mehrere Schwachstellen eines gehärteten Betriebssystems miteinander und erlangte auf diesem Weg Root-Zugriff.
Parallel berichtet OpenAI von Fortschritten bei den Schutzmechanismen. In den eigenen Tests weist Astra 91,5 Prozent der auf Cyberthemen gerichteten Jailbreak-Versuche ab; beim Vorgängermodell GPT-5.6 Sol lagen es 59 Prozent. Auch die Neigung, Sicherheitsbeschränkungen zu umgehen oder absichtlich ausgelegte „Honeypot"-Ziele auszunutzen, sei bei Astra deutlich geringer ausgefallen als bei Sol.
Die Konsequenz für die Verfügbarkeit: Die vollständigen Cybersicherheitsfähigkeiten kommen zum Start nicht in die Breite. Zunächst soll ein ausgewählter Kreis von Testern früheren Zugang erhalten, eine weitergehende Öffnung ist über das Programm Daybreak Blue geplant.
OpenAI begründet das Vorgehen mit den gestiegenen Einsätzen: „Wir treten in eine Phase der KI-Entwicklung ein, in der Modelle folgenreichere Aufgaben übernehmen können und in der Fehler bei Ausrichtung und Kontrolle schwerwiegendere Auswirkungen haben können. Ob sich der Nutzen dieser Systeme realisieren lässt, hängt davon ab, ob wir Modelle mit wachsenden Fähigkeiten ausrichten und kontrollieren können."
Diese Verantwortung erstrecke sich über Training, Bewertung und Auslieferung, so das Unternehmen weiter. Nötig seien „stärkere Belege für ausgerichtetes Verhalten, Schutzmaßnahmen, die mit den Fähigkeiten Schritt halten, und die Bereitschaft, das Tempo zu verlangsamen, wenn diese Schutzmaßnahmen nicht ausreichen".
Eingebettet ist die Ankündigung in eine breitere Initiative: Knapp 130 Technologie- und Sicherheitsunternehmen haben kürzlich ihre Unterstützung für ein von OpenAI angeführtes Vorhaben erklärt, das die Cyberabwehr angesichts zunehmend ausgefeilter KI-gestützter Angriffe stärken soll.
