Stripe unterband den unbefugten Zugriff nach Darstellung der Projekte, bevor die Angreifer die komplette Datenbank der Spender-E-Mail-Adressen herunterladen konnten. Belege für betrügerische Transaktionen über die Konten der beiden Initiativen habe Stripe nicht gefunden. Davayte hat inzwischen Integrationen von Drittanbietern deaktiviert, seine Zugriffsschlüssel ausgetauscht und die zuständige europäische Datenschutzbehörde informiert.

Wer hinter den Angriffen steht, ist offen. „Wir untersuchen diesen Einbruch und können noch nicht sagen, ob er von gewöhnlichen Cyberkriminellen oder von russischen Sicherheitsdiensten ausgeführt wurde", erklärte „Du bist nicht allein".

Davayte wurde im Februar 2024 von mehreren unabhängigen russischen Medienorganisationen gegründet, unter ihnen Meduza und TV Rain, um humanitäre Hilfe für Zivilisten zu leisten, die vom russischen Krieg gegen die Ukraine betroffen sind. Nach eigenen Angaben sammelte das Projekt 2024 mehr als 437.000 Dollar. „Du bist nicht allein" wird seit 2023 von unabhängigen russischen Medien und Oppositionsgruppen betrieben. Die Spenden fließen in Lebensmittel und Medikamente für Gefangene, in deren Gefängniskonten, in Rechts- und Alltagskosten, in Reisen von Angehörigen zu Besuchen sowie in Hilfe für manche Gefangene nach der Freilassung. In den ersten drei Jahren kamen laut der Kampagne rund 1,4 Millionen Dollar zusammen; unterstützt wurden etwa 800 politische Gefangene und ihre Angehörigen.

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Die Vorfälle fallen in eine Phase, in der Angreifer nach Berichten breiter gegen Stripe-Händler vorgehen. Ein bestätigter Zusammenhang zu den nun offengelegten Einbrüchen besteht jedoch nicht. Bereits Anfang August hatte ein Hacker unter dem Pseudonym „Satanic" in einem Cybercrime-Forum ein Archiv veröffentlicht, das angeblich Daten von 669 Stripe-Händlern und mehr als 1.000 zugehörige Zugriffsschlüssel enthält. Ob Stripe selbst in diesem Fall kompromittiert wurde, ist unklar.

Dem unabhängigen russischen Medium The Bell zufolge endet der Datenbestand in dem geleakten Archiv am 1. Juni — die im August bei Davayte und „Du bist nicht allein" entwendeten Daten können also nicht Teil dieses Datensatzes gewesen sein. Laut The Bell hat Davayte Stripe um Informationen gebeten, die klären könnten, ob weitere Kunden des Dienstes ähnliche Aktivitäten beobachtet haben. Stripe reagierte nicht auf eine Anfrage.

Als Reaktion auf den Einbruch rät „Du bist nicht allein" allen Menschen, die in Russland leben oder dorthin reisen, sowie jenen, die Auslandstransaktionen den russischen Steuerbehörden melden müssen, nicht mit im Ausland ausgegebenen Karten zu spenden. Zahlungen mit russisch ausgegebenen Karten hat die Organisation nie angenommen. Davayte mahnt Spender ebenfalls zur Vorsicht, wenn sie eine Reise nach Russland planen.