Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft ging der Beschuldigte hochgradig systematisch vor: Die Nachrichten auf der Freelancer-Plattform stammten demnach aus 255 gefälschten Nutzerkonten und enthielten präparierte Microsoft-Excel-Anhänge. Öffneten die Empfänger die Dateien, forderten die Dokumente sie zu Handlungen auf, die im Ergebnis den Download der Schadsoftware auslösten.
Im Zentrum stand dabei TVRAT, das auch unter den Bezeichnungen TVSPY und TeamSpy bekannt ist. Die Schadsoftware nutzt eine Schwachstelle im Fernwartungswerkzeug TeamViewer aus und erlaubt es Angreifern, die Kontrolle über das Gerät eines Opfers zu übernehmen. Parallel dazu setzte Aktulaev den Ermittlern zufolge eine weitere Schadsoftware namens DarkVNC ein, die nach demselben Prinzip funktioniert, allerdings einen Fehler im Fernwartungsprogramm VNC Viewer ausnutzt.
Den so gewonnenen Zugriff soll der Beschuldigte genutzt haben, um Daten zu entwenden und Betrugstaten zu begehen. Nach der Erstinfektion griff er laut Anklage weiterhin über Command-and-Control-Domains auf die kompromittierten Geräte zu. Etwa die Hälfte aller Opfer befand sich in den Vereinigten Staaten, ein Großteil davon in Kalifornien.
Bei den Ermittlungen stießen die Behörden auf ein Dokument, in dem Aktulaev gestohlene Zugangsdaten für E-Commerce-Konten sowie persönliche Informationen zu Hunderten von Opfern gesammelt haben soll.
Die Anklageschrift wurde bereits 2021 erhoben, blieb aber bis zuletzt versiegelt — auch am Mittwoch war sie noch nicht öffentlich zugänglich. Welches Unternehmen der Freelancer-Vermittlung als Verbreitungsweg diente, ließ das US-Justizministerium offen.
Die Festnahme erfolgte im Mai 2025 auf Zypern, die Auslieferung an die USA vor Kurzem. Neben Verschwörung und schwerem Identitätsdiebstahl umfasst der Katalog der Vorwürfe auch das Übermitteln von Programmen, Informationen, Code und Befehlen mit dem Ziel, einen geschützten Computer zu schädigen, sowie weitere Anklagepunkte. Zusammengenommen sehen die Vorwürfe im Fall einer Verurteilung eine Höchststrafe von 20 Jahren Freiheitsentzug vor.
Aktulaev bleibt bis auf Weiteres in Bundesgewahrsam. Der nächste Termin vor Gericht ist für den 5. Oktober angesetzt.
