Widersprüchlich bleibt, welche Umgebung überhaupt betroffen war. Der Montana Supreme Court berichtet von Backup-Daten auf Servern von Thomson Reuters, die aus Datenbankkopien stammten, welche „TR zum Zweck der Fehlersuche in den Anwendungen bereitgestellt" worden waren. Diese Datenbanken könnten Aktennummern, Namen und Adressen von Verfahrensbeteiligten, Telefonnummern, Beschreibungen von Anklagepunkten und Registereinträgen sowie bei einigen Beschuldigten Führerscheinnummern und Geburtsdaten enthalten. Der unbefugte Zugriff auf diesen Speicherort habe laut Darstellung des Gerichts vom 1. März bis 29. Juni 2026 gedauert.

Der Supreme Court of Ohio schildert es anders: Thomson Reuters Court Management Solutions (TRCMS) habe ihn am 31. August informiert, dass „der unbefugte Zugriff auf der Produktivplattform des Gerichts erfolgte". Dort liegen die Einreichungsdaten der zehn Ohio-Appellationsbezirke, die C-Track nutzen; der achte und zehnte Bezirk sind nicht betroffen. Umfassende Angaben zu den von TRCMS angekündigten verstärkten Sicherheitsmaßnahmen habe das Gericht bislang nicht erhalten.

Die Alabama Appellate Courts erklärten, West Publishing habe ihnen später mitgeteilt, eine Kopie von Daten der Appellationsgerichte habe in einer Backup-Datei in der Cloud-Umgebung des Unternehmens gelegen – ein Backup, das die Gerichte nach eigener Aussage weder angefordert noch gekannt hätten. „Dieser Vorfall geschah in den Systemen unseres Dienstleisters, nicht in unseren eigenen", sagte Alabamas Chief Justice Sarah Stewart.

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Auffällig ist, dass Minnesota in der von The Hacker News am 3. September geprüften West-Publishing-Mitteilung fehlt, die 24 Gerichtsinstitutionen in elf Staaten und auf den US Virgin Islands auflistet. Der Minnesota Judicial Branch teilte dagegen am 2. September mit, Daten seiner Appellationsgerichte seien offengelegt worden; man habe Thomson Reuters den Zugang zu den elektronischen Umgebungen der Gerichte gesperrt, Nutzer des Fallverwaltungssystems müssten ihre Passwörter ändern. Chief Justice Natalie Hudson erklärte, sie sei „tief beunruhigt, dass Daten unserer Gerichtsnutzer kompromittiert wurden".

In Wyoming betrifft der Abfluss historische Daten des Supreme Court und der District Courts, überwiegend von Personen, die zwischen 2015 und 2025 mit diesen Gerichten zu tun hatten. Nach vorläufiger Prüfung seien „begrenzte persönliche Informationen, darunter Namen, Adressen und Geburtsdaten, kompromittiert" worden. Die Gerichte der Virgin Islands wurden am 27. Juli informiert und können bislang nur bestätigen, dass die abgerufenen Daten „mit dem Systemeinführungsprojekt von 2018 zusammenhingen". North Dakota nennt ausschließlich Daten des eigenen Supreme Court; District Courts, das Odyssey-System und das Zahlungssystem nCourt seien nicht betroffen. Es gebe „eine laufende strafrechtliche Untersuchung zu diesem Vorfall". Kentucky sieht die eigene E-Einreichung an den Instanzgerichten unberührt, weil dafür keine Drittanbieter genutzt werden, und erklärt, es gebe „bislang keinen Hinweis darauf, dass der unbefugte Dritte die Kentucky-Daten verbreitet hat".

In Ontario erklärten die drei Chief Justices von Court of Appeal, Superior Court of Justice und Court of Justice, Thomson Reuters habe die Aktivität in einer seiner Cloud-Umgebungen entdeckt; „es ist noch unklar, welche Informationen kompromittiert worden sein könnten". Betroffen sein könne jeder, der an Verfahren beteiligt oder in Gerichtsdokumenten erwähnt ist.

Betroffenen in den USA bietet das Unternehmen zwölf Monate Kreditüberwachung via Experian IdentityWorks (Anmeldung bis 31. Dezember 2026, Hotline 1-833-918-5294 mit Vorgangsnummer B171847), in Kanada zwölf Monate TransUnion myTrueIdentity mit einem Callcenter ab 4. September. Ein Sprecher von Thomson Reuters sagte Reuters, es habe „keine Betriebsstörung bei C-Track" gegeben; die Plattform sei weiter sicher nutzbar.