Die Technik hinter der Kampagne ist als ASCII Smuggling bekannt: Unsichtbare oder nicht darstellbare Unicode-Zeichen verstecken Inhalte in scheinbar harmlosem Text. Benutzeroberflächen stellen sie nicht dar, sodass die Nachricht für Empfänger völlig normal aussieht – E-Mail-Filter oder Sprachmodelle verarbeiten sie hingegen als echten Text. Genau darin liegt auch das Risiko für Prompt Injection: Große Sprachmodelle können nicht zuverlässig zwischen direkt eingegebenen Nutzeranweisungen und Inhalten unterscheiden, die in harmlos wirkenden Texten, Webseiten, Dokumenten oder E-Mails eingebettet sind.

“Der am häufigsten missbrauchte Bereich ist der Unicode-Tags-Block von U+E0000 bis U+E007F”, erklärte Microsoft. Dieser Block enthält eine Schattenkopie der druckbaren ASCII-Zeichen – U+E0041 spiegelt etwa das “A”, U+E0061 das “a”. Ursprünglich war er zur Sprachkennzeichnung gedacht und gilt heute weitgehend als veraltet.

In den Phishing-Mails dienen diese Zeichen als Verschleierungsmuster: Sie werden mitten in gängige Finanzbegriffe eingefügt und zerlegen diese. Aus “funding” wird so “fun⟨U+E0020⟩ding”. “Für einen Empfänger und für Verarbeitungsketten, die diese Zeichen verwerfen oder normalisieren, liest sich das Wort weiterhin als funding”, so Microsoft. “Für einen Detektor, der auf die wörtliche Zeichenfolge funding prüft, oder für einen regulären Ausdruck, der eingestreute unsichtbare Codepunkte nicht berücksichtigt, enthält die Bytefolge das zusammenhängende Schlüsselwort nicht mehr.”

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Unsichtbare oder ähnlich aussehende Zeichen sind in Phishing- und Homoglyphen-Angriffen nichts Neues. Neuartig sind laut Microsoft die Wahl des Unicode-Tags-Blocks und der Umfang der Kampagne, die täglich Millionen Nachrichten erzeugte. Der Versand folgte einem Wochenrhythmus: An Wochenenden verstummte die Aktivität nahezu vollständig, montags lief sie wieder in vollem Umfang an.

Als Köder dienten hunderte kurzlebige, finanzthematisch benannte Absenderdomains mit Mustern rund um Geschäftskredite, Kreditlinien und Vorfinanzierungen – typische Aufhänger für Betrug oder das Abgreifen von Zugangsdaten. Alle ausgehenden Links im Nachrichtentext werden über die Klick-Tracking-Domains von ActiveCampaign geleitet, konkret “acemlnd[.]com” und “activehosted[.]com”.

Microsoft ordnet die Aktivität einer größeren Phishing-Kampagne zu, die die Marketing- und Automatisierungsplattform ActiveCampaign missbrauchte, um tausende KI-generierte Phishing-Mails an Antragsteller von Krediten der Small Business Administration (SBA) zu verschicken. Diese Operation hatte das Fortra Intelligence and Research Experts (FIRE) Team im September 2025 offengelegt; sie zielte demnach auf das Sammeln detaillierter Geschäfts- und Finanzdaten, vermutlich als Grundlage für künftiges, hochgradig zugeschnittenes Spear-Phishing. “Die Raffinesse und Einzigartigkeit der Kampagne liegt in der Fähigkeit, überzeugende, maßgeschneiderte Websites in Serie zu produzieren, die sich an unterschiedliche unrechtmäßige oder nachgeahmte Domains anpassen”, hielt Fortra damals fest.

ActiveCampaign erklärte, man habe die eigenen Systeme zur Inhaltsmoderation mit Nachrichten getestet, die unsichtbare Unicode-Zeichen enthalten; solche E-Mails erhielten dasselbe Moderationsurteil wie ihre unverschleierten Entsprechungen. Eine starke Nutzung der Technik werte man als “verdächtiges Signal”. Microsoft weist gleichwohl darauf hin, dass der Missbrauch von Kundenkonten bei gemeinsam genutzten Versanddiensten die reputationsbasierte Filterung erschwert: Weil der Versand von einer angesehenen Marketing-Plattform mit etablierter IP-Reputation und Authentifizierung ausgeht, wirkt die Aktivität eher wie legitimer Marketing-Verkehr.