Federführend auf US-Seite ist die Scam Center Strike Force, die im November eingerichtet wurde, um die Arbeit der amerikanischen Strafverfolgungsbehörden gegen Cyber-Betrug zu koordinieren. Geleitet wird sie von der Assistant U.S. Attorney Karen Seifert, die im März vor dem Kongress erklärte, die Einheit verfüge über mehr als 150 Mitarbeiter — darunter Staatsanwälte sowie Ermittler des FBI, der Steuerbehörde IRS und des U.S. Postal Inspection Service.

Das Ausmaß des Phänomens beschreibt das FBI mit deutlichen Zahlen: Beinahe 85 Prozent aller bei der Behörde gemeldeten Verluste gehen auf cyber-gestützte Betrugsmaschen zurück. Im vergangenen Jahr wurden Amerikanern mehr als 12 Milliarden Dollar durch derartige Betrügereien entzogen. Die Zahl dürfte die tatsächlichen Schäden erheblich unterschätzen, da viele Betroffene ihre Verluste nicht anzeigen.

Die Betrugsanrufe und -nachrichten werden überwiegend von Opfern des Menschenhandels ausgeführt, die in abgeriegelten Anlagen in Myanmar, Kambodscha, Laos und weiteren Ländern festgehalten werden. Betrieben werden diese Komplexe laut den Angaben von chinesischen Banden, unterstützt von korrumpierten lokalen Amtsträgern.

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Der bislang größte Erfolg der Einheit war das Vorgehen gegen die Prince Group, eine chinesische Tarnfirma, über die die aus dem Betrug erlangten Milliarden gewaschen wurden. US-amerikanische und britische Behörden verhängten Sanktionen gegen die Prince Group; das Justizministerium beschlagnahmte Bitcoin im Wert von rund 15 Milliarden Dollar, die dem Vorstandschef des Unternehmens, Chen Zhi, zugeordnet wurden.

Mit der neuen Absichtserklärung soll aus solchen Einzelschlägen ein abgestimmtes Vorgehen werden: Statt paralleler, voneinander unabhängiger Verfahren wollen beide Länder Fälle gemeinsam bewerten, Zuständigkeiten klären und Ergebnisse aufeinander abstimmen. Der Termin in London Anfang Oktober, an dem auch Unternehmen aus der Privatwirtschaft teilnehmen sollen, ist der erste konkrete Schritt dieser Zusammenarbeit.