Wie stark der Systemwechsel durchschlägt, zeigt eine Verteilung, die die Polizei ausdrücklich hervorhebt: 92 Prozent der Meldungen über Kontoübernahmen mit finanziellem Schaden entfielen auf die zweite Hälfte des Finanzjahres – also genau auf den Zeitraum, in dem der Umstieg auf die neue Plattform stattfand. Direkte Vorjahresvergleiche seien deshalb nur eingeschränkt aussagekräftig, warnen die Beamten, weil ein Teil des Anstiegs schlicht darauf beruhe, dass mehr Vorfälle erkannt und erfasst würden.
Report Fraud wurde anders als der Vorgänger darauf ausgelegt, brauchbarere Angaben von Opfern und aus der Privatwirtschaft zu sammeln. Damit sollen Muster erkennbar werden und Strafverfolgung wie andere Stellen ein klareres Bild von einem Kriminalitätsfeld bekommen, das seit Langem als massiv untererfasst gilt. Parallel dazu versucht die britische Regierung, ihre Betrugsbekämpfung insgesamt neu aufzustellen: Im März stellte sie eine Strategie vor, die Telekommunikationsunternehmen, Technologieplattformen und Finanzdienstleister stärker in die Pflicht nimmt.
Betrug ist inzwischen die häufigste Straftat in England und Wales und macht in offiziellen Erhebungen rund 40 Prozent der Delikte aus. Nach Schätzung der Polizei sind mehr als zwei Drittel davon technikgestützt – Technologie wird also zur Ausführung oder Skalierung eingesetzt, auch wenn die zugrunde liegende Tat selbst kein Hacking-Delikt ist.
Gesondert erfasst Report Fraud die rein computerabhängigen Delikte, also Straftaten wie Hacking oder Schadsoftware, die ohne Rechnernetze nicht möglich wären. In dieser Kategorie gingen im Jahr 2025/26 insgesamt 64.608 Meldungen ein, ein Plus von 34 Prozent; Kontoübernahmen stellen mit 44.355 Meldungen den mit Abstand größten Anteil. Die gemeldeten Schäden stiegen hier um 90 Prozent auf 14,3 Millionen Pfund (19,3 Millionen Dollar), der durchschnittliche Verlust je Opfer von 155 auf 220 Pfund (209 auf 309 Dollar).
Diese Kategorie deckt jedoch längst nicht die gesamten online verursachten Betrugsschäden ab. Anlagebetrug, umgeleitete Zahlungen, Betrug beim Online-Einkauf und Bankkontobetrug laufen in separaten Betrugskategorien, auch wenn digitale Werkzeuge dabei zentral sind. Über diese Kategorien hinweg verzeichnete Report Fraud im Jahr 3,2 Milliarden Pfund (4,3 Milliarden Dollar) an gemeldeten Schäden, mehr als ein Viertel mehr als zuvor. Hinzu kommt eine statistische Unschärfe: Hacking und Betrug können getrennt erfasst werden, obwohl sie zum selben Vorfall gehören – wer nicht bemerkt, dass sein E-Mail-Konto kompromittiert wurde, meldet nur den Betrug.
Auf Organisationen entfielen 2.271 Cybercrime-Meldungen. Wo die Unternehmensgröße bekannt war, stellten kleine und mittlere Betriebe 62 Prozent der Fälle. Kleinere Firmen hätten weniger Mittel für IT-Sicherheit und dienten Angreifern über Liefer- und Geschäftsbeziehungen zudem als Einstieg zu größeren Unternehmen, so die Polizei.
Bei Ransomware bleibt das Bild unklar: 323 Meldungen bedeuten einen Rückgang um 25 Prozent gegenüber 430, doch die Polizei verweist auf mehrere parallele Meldewege und darauf, dass der Rückgang eher Untererfassung als weniger Angriffe abbilden könnte. Das Information Commissioner’s Office registrierte zwischen dem zweiten und vierten Quartal 2025 gesondert 452 Ransomware-bedingte Datenschutzverletzungen – erfasst wird dort allerdings etwas anderes als bei Report Fraud.
Vorschläge für eine Meldepflicht bei Ransomware-Angriffen und Lösegeldzahlungen liegen nach einer Regierungskonsultation im vergangenen Jahr auf Eis. Vorausgegangen waren mehrere aufsehenerregende Vorfälle, darunter Angriffe, die Regale von Lebensmittelgeschäften leerbleiben ließen, sowie einer, der zum Tod einer Patientin in einem Londoner Krankenhaus beitrug. Bereits 2023 zeigte sich das National Cyber Security Centre “zunehmend besorgt”, dass britische Ransomware-Opfer Vorfälle geheim halten: “Wenn Angriffe vertuscht werden, sind die Kriminellen erfolgreicher, und es kommt zu mehr Angriffen.”
