Rechenzentren wurden traditionell nicht für die Abwehr von Angriffen aus der Luft ausgelegt, doch immer leistungsfähigere Drohnen verschärfen die Lage – darauf verweisen Branchenfachleute vor Ort. Bereits 2023 berichteten russische Medien, dass einzelne Unternehmen erwogen, Daten aus Anlagen im Raum Moskau nach Osten jenseits des Urals zu verlagern, unter anderem wegen der Drohnenangriffe auf die Hauptstadt.
Seither hat die Ukraine ihre Drohnenoperationen mit großer Reichweite deutlich ausgeweitet und Flughäfen, Ölraffinerien, Industrieanlagen und Lagerhallen tief im russischen Hinterland getroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte in dieser Woche an, den Druck weiter zu erhöhen: Ziel sei es, den russischen Luftraum zu „schließen“; Drohnen würden in einem Ausmaß eindringen, „das berücksichtigt werden muss“.
Auch russische Angriffe treffen ukrainische Rechenzentren. Ein Schlag im Juli beschädigte ein großes Rechenzentrum in Kyjiw, woraufhin mehrere lokale Internetanbieter ihren Betrieb ganz oder teilweise einstellen mussten. Hinzu kommen Cyberangriffe: Im Januar 2024 erklärte eine Einrichtung, die mehrere Staatsunternehmen bedient, ein Angriff habe die Abläufe ihrer Kunden gestört. Am Freitag meldete Selenskyj, eine Drohne habe das Hauptquartier des Inlandsgeheimdienstes SBU im Zentrum von Kyjiw getroffen.
Die russischen Betreiber wollen gegenüber Kommersant zufolge nicht nur den physischen Schutz ausbauen, sondern auch ihre IT-Sicherheit: geplant sind Ersatz-Kommunikationswege, ein besserer Schutz gegen DDoS-Angriffe und ein sorgfältigeres Management von Software-Schwachstellen.
Beide Investitionsrichtungen dürften den Betrieb verteuern – Kosten, die letztlich an die Kunden weitergereicht werden könnten. „Für die Branche bedeutet das zweifellos einen erheblichen Anstieg der Investitionsausgaben, was sich langfristig unvermeidlich auf die Kosten der IT-Infrastruktur für Endnutzer auswirken wird“, sagte Zaplin.
Russland erprobt seit geraumer Zeit unterschiedliche Mittel zum Schutz kritischer Infrastruktur vor ukrainischen Drohnen, darunter Anti-Drohnen-Netze, Metallbarrieren und sogar Rauchvorhänge. Im August begannen die Behörden Berichten zufolge damit, in Moskau Metallgerüste für solche Netze rund um Anlagen der Stromversorgung zu errichten, unter anderem an einem großen Umspannwerk im Osten der Stadt.
Wie begrenzt der Nutzen solcher Maßnahmen ist, räumt ein in diesem Jahr durchgesickertes Dokument des russischen Ölkonzerns Rosneft ein: Es könne nicht garantiert werden, dass Anlagen vor Explosionen oder Trümmerschäden sicher blieben.
