Der Vergleich sieht vor, dass Grindr bis zum 31. Dezember 2026 zunächst 13 Millionen Pfund an die Gegenseite überweist, die zweite Hälfte von 13 Millionen Pfund folgt bis zum 31. März 2027. Insgesamt kommen so 26 Millionen Pfund beziehungsweise 35,1 Millionen US-Dollar zusammen.

Das kalifornische Unternehmen betont in seiner SEC-Einreichung, dass sich die beanstandeten Praktiken auf die Zeit vor 2020 beziehen, als die Plattform von Kunlun geführt wurde. Nach dem Verkauf an San Vicente Acquisition LLC im Mai 2020 habe man das Datenschutzprogramm grundlegend überarbeitet. Die App bleibe “ein sicherer Raum für Nutzer”, erklärte Grindr und verwies auf Zusagen zu Transparenz, Nutzerkontrolle und verantwortungsvollem Umgang mit Daten.

Der Ursprung des Falls liegt im April 2018: Die norwegische gemeinnützige Forschungsorganisation SINTEF deckte damals auf, dass Grindr den HIV-Status seiner Nutzer samt Datum des letzten Tests an die beiden Dienstleister Apptimize und Localytics weitergab. Beide Unternehmen waren zur Optimierung der Apps eingebunden. Kurz nach der Veröffentlichung kündigte Grindr an, diese Weitergabe einzustellen.

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Schon damals wies das Unternehmen eine kommerzielle Verwertung zurück: Grindr habe “niemals persönliche Nutzerinformationen verkauft und wird das auch nie tun – insbesondere keine Informationen zum HIV-Status oder zum Datum des letzten Tests – weder an Dritte noch an Werbetreibende”. Werbekunden hätten nie Zugriff auf HIV-Status oder Testdatum gehabt, es sei denn, diese Angaben standen im öffentlichen Profil. Apptimize und Localytics hätten die Daten ausschließlich zur Erbringung von Dienstleistungen für Grindr genutzt.

Parallel dazu beschäftigte der Fall die norwegische Datenschutzbehörde. Sie verhängte im Januar 2021 ein Bußgeld von 8,6 Millionen Pfund gegen Grindr, das später auf 5,5 Millionen Pfund reduziert wurde. Begründung war ein Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO): Das Unternehmen habe personenbezogene Daten wie Standort, sexuelle Orientierung und Angaben zur psychischen Gesundheit an Werbetreibende übermittelt. Grindr ging gegen die Entscheidung vor, doch das norwegische Berufungsgericht bestätigte die Strafe im vergangenen Oktober.