Abheben hilft nicht: Wer den Anruf annimmt, hört laut Calif nichts, der Exploit läuft trotzdem. Wird der Anruf abgelehnt, endet dieser Versuch — der Angreifer kann es aber später erneut probieren, etwa während das Ziel schläft.

Dass der Anrufer in der Kontaktliste stehen muss, hält Calif für keine nennenswerte Hürde: Ist ein Kontakt erst einmal übernommen, arbeite das zusätzliche Vertrauen, das WeChat Kontakten einräumt, für den Angreifer statt für den Nutzer. Genau diese Weitergabe zeigt die Demonstration: Ein Android-Gerät rief ein iPhone an und übernahm dessen WeChat, während das Telefon noch klingelte. Das kompromittierte iPhone rief anschließend ein zweites Android-Gerät an und brachte es auf demselben Weg unter Kontrolle. Die im Beitrag beschriebenen Angriffswege sind mögliche Routen, keine tatsächlich getesteten.

Tencent veröffentlichte laut eigenem Änderungsprotokoll am 21. August die Version 8.0.77 für Android und 8.0.76 für iOS. Diese Releases hätten den Fehler entschärft, so Calif; am 28. August habe man bestätigt, dass der Exploit auch auf Tencents Servern blockiert werde. Die Forscher formulieren, Tencent habe „unseren Exploit für alle Nutzer entschärft". Auf die Frage, ob auch die zugrunde liegende Schwachstelle behoben sei, teilte Calif The Hacker News mit, man könne sich dazu nicht äußern.

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Eine Sicherheitsmeldung hat Tencent nicht veröffentlicht. Die Versionshinweise zur iOS-Fassung und der App-Store-Eintrag beschreiben das Update lediglich als Fehlerbehebungen. Da die Sperre laut Calif serverseitig greift, müssen Nutzer nichts installieren; eine aktuelle Version zu nutzen bleibt dennoch die sicherere Wahl. Am 8. September wies der Eintrag 8.0.76 vom 21. August als aktuelle Version aus.

Getestet wurde der Exploit nach Angaben von Calif gegenüber The Hacker News gegen WeChat 8.0.76 für Android und 8.0.75 für iOS — jeweils die Version unterhalb der am 21. August ausgelieferten. Die Tests liefen unter iOS 26.6 und einigen älteren Android-Versionen. Eine vollständige Liste betroffener Versionen hat keines der beiden Unternehmen veröffentlicht, sodass Nutzer anderer Builds nicht feststellen können, ob sie verwundbar waren. Tencent liefert WeChat-Clients auch für HarmonyOS, Windows, Mac und Linux mit eigenen Release-Zyklen aus; ob diese getestet wurden, wollte Calif nicht sagen, und Tencent äußerte sich dazu nicht.

Die technischen Details hält Calif zurück und will die vollständige Analyse auf einer Konferenz vorstellen. Veröffentlicht wurde nichts, wonach Verteidiger suchen könnten, und Nutzer haben keine Möglichkeit festzustellen, ob sie angerufen wurden. Prüfungen am 8. September ergaben weder eine CVE-Kennung noch eine Meldung auf Tencents Security-Response-Seite, deren jüngste Bekanntmachung von April 2022 stammt. The Hacker News hat Tencent um eine Stellungnahme gebeten.

Bemerkenswert ist die Entstehung: Calif erklärt, man habe mit KI gearbeitet und binnen rund zwei Tagen den Fehler gefunden sowie den ersten Exploit geschrieben, der Code auf dem Telefon ausführen konnte; der Wurm habe eine weitere Woche gedauert. Man habe einen Satz an Fähigkeiten entworfen, der eine KI beim Erkunden und Identifizieren möglicher Angriffsflächen in Messenger-Apps anleitet — damit habe die KI die Lücke entdeckt. Die eigene Zeitleiste nennt größere Abstände: Kenntnis des Fehlers am 23. Juli, erster Android-Exploit am 30. Juli, Wurm-Demo am 11. August. Ob die kürzeren Angaben nur reine Arbeitszeit meinen, bleibt offen.