Die KI-Agenten in diesem Fall steuerten laut Google die gesamte Pipeline zum Schwachstellenscan, sammelten Tausende Zugangsdaten von Drittanbietern ein, behoben auftretende Probleme in Echtzeit, wechselten IP-Adressen und leiteten den Angriffsverkehr über legitime, aber kompromittierte Cloud-Umgebungen um, um einer Entdeckung zu entgehen. Der Effekt: Die Verzögerung durch den Menschen in der Schleife entfiel weitgehend – und damit schrumpfte auch das Zeitfenster, in dem Verteidiger reagieren können.
In einem zweiten Fall stießen die Forscher auf einen offen zugänglichen Command-and-Control-Server, auf dem ein automatisiertes Framework für Aufklärung und Verwaltung von Zugangsdaten lag. Es trug den Namen „Recon“ und enthielt Anweisungen für KI-Agenten, Wissensdateien sowie OpenClaw-Artefakte. Das Framework verwaltete in Echtzeit mehr als 23.800 erbeutete Geheimnisse, darunter API-Schlüssel.
Auch im Spionagebereich experimentieren Gruppen mit der Technik. GTIG beschreibt Akteure mit China-Bezug, die mit KI-gestützten Entwicklungswerkzeugen an einer „KI-unterstützten, automatisierten Pipeline für Exploitation und Post-Exploitation“ arbeiteten. Die russische Gruppe UNC5792 wiederum band KI-Modelle in Überwachungsbots ein, die Telegram-Kanäle nach Informationen durchsuchen, die für die Regierung von Interesse sind.
Eine Einschränkung macht Google jedoch deutlich: Vollständig autonomes Hacken ist bislang nicht verbreitet. Die Forscher beobachteten keine Bedrohungsakteure, die komplett autonome Pipelines zur Entdeckung von Zero-Day-Lücken und zur Ausnutzung von Netzwerken gegen reale Ziele einsetzten.
Google betont zudem, dass das eigene Modell Gemini viele dieser Missbrauchsversuche frühzeitig erkannt und gemäß den hinterlegten Sicherheitsprotokollen reagiert habe. Das habe es dem Unternehmen ermöglicht, weitere Maßnahmen zu ergreifen, Kampagnen zu stören und die zugehörigen Konten zu sperren.
Weitere Beobachtungen aus dem Bericht: Missbrauch von KI-Werkzeugen bei Angriffen auf die Lieferkette durch die Gruppe UNC6780 (TeamPCP), Distillation-Operationen gegen Gemini mit 100 Millionen Prompts sowie ein wachsender Markt für gestohlene Zugangsdaten zu KI-Konten und für API-Schlüssel. Staatlich unterstützte Gruppen setzen KI weiterhin für Aufklärung, Phishing, Malware-Entwicklung, Ausnutzung von Lücken, Post-Exploitation, Datenverarbeitung und Propaganda ein.
Google weist darauf hin, dass allgemeine Präventionskennzahlen verdecken können, was nach dem Erstzugriff geschieht: Sobald Angreifer mit gültigen Zugangsdaten arbeiten, sinkt die Schutzwirkung deutlich. Der Blue Report 2026 misst Verteidigungsmaßnahmen einzeln nach Technik über 338 Millionen Simulationen hinweg, die in produktiven Kundenumgebungen durchgeführt wurden.
