Der Bitcoin-Sidechain Liquid Network hat einen der größten Krypto-Abflüsse der letzten Zeit gemeldet: Aus der Federation-Wallet, die vor dem Vorfall rund 4.200 Bitcoin hielt, verschwanden 4.000 Bitcoin im Gegenwert von etwa 320 Millionen Dollar. Als Reaktion deaktivierte der von Blockstream entwickelte Sidechain seine Nodes und stellte alle Transaktionen ein; die Offenlegung des Vorfalls erfolgte am Sonntag.
Zur technischen Ursache hält sich Liquid bislang bedeckt. „Was wir bisher wissen, ist, dass die Mittel über den SideSwap PAK (Peg-out Authorization Key) abgezogen wurden, dieser Schlüssel aber nicht kompromittiert war – und auch kein anderer", teilte das Projekt mit. Wie der Diebstahl konkret ablief, bleibt damit offen.
Börsen wurden nach Angaben von Liquid benachrichtigt und haben Ein- und Auszahlungen von LBTC bereits gestoppt oder werden dies noch tun. „Andere Liquid-Assets wie USDT, DePix und RWAs sind von diesem Sicherheitsvorfall nicht betroffen", so das Projekt. Für Nutzer von Liquid-Wallets kündigte der Betreiber Einschränkungen an und entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten; die Mitglieder der Federation arbeiteten aktiv an einer Lösung, um den normalen Netzbetrieb wiederherzustellen.
Zu dem Vorgang bekannten sich Personen, die sich selbst als „White-Hat"-Hacker darstellen. Sie erklärten, den Großteil der Mittel zurückzugeben, sobald die ausgenutzte Schwachstelle beseitigt sei. In einer über die Blockchain übermittelten Nachricht hieß es: „Behebt bitte zuerst den Fehler. Die Chain ist beim aktuellen Commit gerade gefährdet. Stellt sicher, dass jeder Node gepatcht ist. Dann überweisen wir das Geld sicher zurück, sobald wir den Fix bestätigt haben."
Am Montag flossen tatsächlich 3.400 Bitcoin – etwa 262,6 Millionen Dollar – an Liquid zurück. Offen bleiben rund 598 Bitcoin im Wert von etwa 47 Millionen Dollar, wie der frühere Blockstream-Manager Samson Mow mitteilte. Blockstream stehe weiterhin in Kontakt mit den Angreifern.
Ein Neustart des Netzwerks steht laut Mow noch aus: „Das Netzwerk bleibt angehalten, während Blockstream und die Mitglieder der Federation weitere Fixes und Sicherheitsverbesserungen vornehmen, den Chain-Split auflösen und einen sicheren Neustart vorbereiten. Liquid-Wallets und -Dienste werden in dieser Zeit weiterhin beeinträchtigt sein." Neben der offenen Restsumme muss also auch die durch den Vorfall entstandene Kettenspaltung bereinigt werden, bevor der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden kann.
