Die Stadtwerke Landsberg, ein Unternehmen in städtischem Besitz, beschreiben den Vorfall als Verschlüsselungsangriff auf ihr zentrales IT-Netz. Beginn war den Angaben zufolge die Nacht zum 1. September. Als Sofortmaßnahme nahm der Versorger die betroffenen Systeme vom Netz und setzte seinen Krisenstab ein; parallel untersuchen externe Sicherheitsspezialisten den Angriff forensisch.
Auf die Versorgung selbst hat der Angriff nach Darstellung des Unternehmens keine Auswirkungen: Strom, Wasser und andere wesentliche Dienstleistungen laufen weiter. Beeinträchtigt sind die Büro-IT und damit die Erreichbarkeit — Beschäftigte seien derzeit nur eingeschränkt per Telefon und E-Mail erreichbar.
Offen bleibt der Umfang eines möglichen Datenabflusses. Die Stadtwerke warnten ihre Kundschaft ausdrücklich, dass ein Zugriff auf oder ein Diebstahl von personenbezogenen Daten nicht ausgeschlossen werden könne. Zu den potenziell betroffenen Informationen zählen Namen, Anschriften, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Bankdaten. Eine Täterzuordnung zu einer bestimmten Ransomware-Gruppe gibt es bislang nicht, ebenso wenig Angaben zu einer Lösegeldforderung.
Ransomware und andere störende Cyberangriffe bleiben ein anhaltendes Problem für deutsche Unternehmen und öffentliche Einrichtungen. Das BSI hat Ransomware wiederholt als eine der schwerwiegendsten Cyberbedrohungen für Deutschland eingestuft. Ein vergleichbarer Fall traf Ende Juni einen kommunalen Versorger in Nordrhein-Westfalen, der Kamen, Bönen und Bergkamen beliefert: Dort waren interne Systeme wochenlang gestört, später erklärte der Betreiber, Angreifer könnten auf ältere Backups mit personenbezogenen Daten zugegriffen haben.
Der Landsberger Angriff fiel in einen für Betreiber kritischer Infrastruktur ungewöhnlich angespannten Tag. Zeitgleich machte die Bundesregierung offiziell Russland für einen Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle verantwortlich, und Saboteure griffen zwei Umspannwerke an entgegengesetzten Enden des Landes an. Einen Zusammenhang zwischen dem Hackerangriff in Landsberg und anderen Vorfällen gibt es allerdings nicht — trotz der Sorge, die russische Regierung könne das Ökosystem der Cyberkriminalität für „hybride" Angriffe nutzen.
In Brandenburg fanden Ermittler improvisierte Vorrichtungen nahe dem Umspannwerk Turnow-Preilack. Eine davon löste einen Kurzschluss aus, ohne die öffentliche Versorgung nennenswert zu stören. Wenige Stunden später legte ein Angriff auf das Amprion-Umspannwerk in Rommerskirchen im Westen kurzzeitig mehrere Kraftwerksblöcke lahm, ohne die Netzstabilität zu gefährden.
Am Dienstag nahm die Polizei einen 48-jährigen Mann im Zusammenhang mit Sabotageakten an Stromanlagen in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen fest — den drei Regionen, in denen in Deutschland noch Braunkohle gefördert und verstromt wird. Zwei handschriftliche Schreiben, in denen die alleinige Verantwortung für die Taten übernommen wird und die laut Ermittlern detaillierte Kenntnisse der Vorgänge enthalten, begründen die Angriffe mit der Ablehnung von Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen.
Unabhängig davon hat das Bundeskabinett kürzlich einen Gesetzentwurf gebilligt, der den Nachrichtendiensten erlauben würde, ausländische Systeme zu hacken, Lieferketten von Gegnern zu sabotieren und Extremisten in Deutschland gezielt Falschinformationen zuzuspielen — die größte Überarbeitung der deutschen Geheimdienstgesetze der Nachkriegszeit. Die Regierung begründet das Vorhaben mit einer sich rasch wandelnden Bedrohungslage, darunter der russische Angriff auf die Ukraine, islamistischer Terrorismus und politischer Extremismus.
