TeamPCP dient GTIG auch als Beispiel für die zunehmende Verquickung von KI-Missbrauch und Angriffen auf die Open-Source-Lieferkette. Seit März 2026 hat die Gruppe entsprechende Kompromittierungen unter anderem gegen PyPI, npm und Docker Hub durchgeführt. Nach Zählung der Forscher hat sie mehr als ein halbes Dutzend verschiedene Methoden umgesetzt, um KI-Werkzeuge und gängige Praktiken der Open-Source-Entwicklung anzugreifen oder auszunutzen – einige davon sind in ihrem Zugangsdaten-Stealer Dustmaker eingebettet.

Auf TeamPCP gehen zudem die Schadprogramme Shai-Hulud und Miasma zurück, die beide öffentlich verfügbar sind. GTIG erwartet, dass „die Öffentlichkeitswirkung, der offenkundige Erfolg und die Open-Source-Veröffentlichung der Schadsoftware von UNC6780 andere Angreifer wahrscheinlich dazu anregen werden, diese Taktiken nachzuahmen".

Nicht nur finanziell motivierte Kriminelle profitieren. Im Juni 2026 berichtete GTIG über eine mehrjährige Cyberspionagekampagne des chinanahen Akteurs UNC6508 gegen akademische, medizinische und militärische Forschungseinrichtungen in Nordamerika. Darüber hinaus hat Google mehrere staatsnahe Gruppen identifiziert, die an offensiven agentischen KI-Werkzeugen arbeiten: Eine Gruppe aus der Volksrepublik China experimentiere mit KI-gestützten Entwicklungswerkzeugen, um eine automatisierte Pipeline für Exploitation und Post-Exploitation aufzubauen.

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Der ebenfalls chinanahe Akteur Basin Castle nutzt laut GTIG große Sprachmodelle, um in der frühen Aufklärungsphase hochwertige Ziele zu profilieren, lokalisierte Social-Engineering-Köder zu entwerfen und zu übersetzen, verschleierte eigene Schadsoftware zu schreiben und Befehle nach der Kompromittierung zu debuggen.

Die iranisch gestützte Gruppe Calanque Ion (auch APT42) setzt generative KI – darunter Gemini – ein, um Ziel-E-Mail-Adressen zu ermitteln, OSINT-Recherchen durchzuführen und Inhalte für lokalisierte Vorwände in verschiedene Sprachen zu übertragen. Ravine Castle (auch APT24), ebenfalls mit Bezug zur Volksrepublik China, verwendet Gemini über den gesamten Angriffszyklus hinweg: von der Informationsbeschaffung über die Entwicklung von Angriffsfähigkeiten bis zu Einflussoperationen. Beobachtet wurde auch, dass die Gruppe mit Gemini politisch aufgeladene Propaganda erzeugt und Methoden recherchiert, um Datenleaks zu anonymisieren und anschließend an Journalisten und Social-Media-Influencer weiterzugeben. Midnight Neptune (UNC1069), ein Akteur mit Bezug zu Nordkorea, hat KI zunehmend über seine gesamten Operationsabläufe hinweg integriert, um Kryptowährungsdiebstahl zu unterstützen.

Google reagiert darauf, indem es zugehörige Projekte und Konten deaktiviert, sobald es sie erkennt, und die eigenen Modelle gegen Missbrauch härtet. „Als Reaktion auf Modellextraktion – oder ‚Distillation’-Angriffe – haben wir Echtzeit-Abwehrmechanismen ausgerollt, die die Leistung unautorisierter ‚Schüler’-Modelle verschlechtern und Versuche erkennen sollen, proprietäre Logik zu klonen", heißt es von Google. Die CISA hat Einzelheiten zu chinesischen Distillation-Angriffen gegen US-amerikanische KI-Unternehmen dokumentiert.

Das Grundproblem bleibt laut dem Bericht die Leichtigkeit, mit der KI Schwachstellen findet und neue Schadsoftware sowie Exploits entwickelt. Solange das so ist, werden Angreifer KI als Kräftemultiplikator einsetzen – und an Schwachstellen wird es nicht mangeln, da gefundene und geschlossene Lücken durch neue in neuer Software ersetzt werden.