Nach Darstellung von Veradigm blieb der Zugriff auf eine bestimmte Schnittstelle beschränkt. Die weitere Unternehmensumgebung – Netzwerke, Server und Datenbanken – sei nicht betroffen gewesen, ebenso wenig habe es Betriebsstörungen gegeben. Die Untersuchung dauert an, der Vorfall wurde den Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Auf Anfragen um eine Stellungnahme reagierte das Unternehmen nicht.
Die Ransomware-Gruppe The Gentlemen nahm Veradigm am Freitag in ihre Leak-Seite auf und beansprucht den Diebstahl der Gesundheitsakten von 3,5 Millionen Patienten für sich. Die Gruppe ist seit vergangenem Herbst aktiv und hat seither Hunderte Angriffe gestartet, zuletzt gegen die Gesundheitsunternehmen Nutex und AnMed.
Veradigm, früher unter dem Namen Allscripts bekannt, war bereits mehrfach Ziel von Angriffen. 2019 traf das Unternehmen die Ransomware-Gruppe SamSam; die dadurch verursachten Ausfälle in Tausenden Krankenhäusern zogen mehrere Sammelklagen nach sich. Im Dezember 2025 meldete Veradigm zudem dem US-Gesundheitsministerium einen weiteren Vorfall: Bei einem Einbruch im Dezember 2024 waren Gesundheitsdaten von 2.672.036 Personen offengelegt worden.
Der Fall reiht sich in eine Serie von Angriffen auf Dienstleister im Gesundheitswesen ein. Das auf Datenmigration spezialisierte Unternehmen Aesto erklärte kürzlich, bei einem Sicherheitsvorfall seien Daten von neun Millionen Menschen abgeflossen. Baylor Genetics hatte den Bundesbehörden zuvor gemeldet, dass bei einem Vorfall im Juni Informationen zu medizinischen Untersuchungen, Laborergebnisse und weitere Daten von mehr als 2,8 Millionen Personen entwendet wurden. Weitere 3,7 Millionen Menschen waren von einem Vorfall im März betroffen, der den Anbieter elektronischer Patientenakten CareCloud und mehrere andere Firmen traf; auch Paylogix machte in den vergangenen zwei Wochen einen Angriff mit Patienten- und Kundendaten öffentlich.
Parallel dazu bestätigte der Medizintechnikkonzern Boston Scientific in einer aktualisierten SEC-Meldung vom Dienstag, dass der zuvor bekanntgegebene Cyberangriff weiterhin den Betrieb beeinträchtigt. Zwar konnte das Unternehmen die Angreifer aus den Systemen entfernen und einen Teil der betroffenen Systeme wiederherstellen, doch sei eine „umfassende Wiederherstellung des Vertriebsnetzes“ nötig gewesen. Erst kürzlich wurde ein System wieder in Betrieb genommen, das Fernüberwachungsdienste für implantierte Herzgeräte verwaltet.
Boston Scientific räumte ein, dass sich der Vorfall voraussichtlich auf die Geschäftszahlen auswirken und das Unternehmen seine Nettoumsatzziele für das Quartal verfehlen wird. „Das Unternehmen erwartet, einen Teil der betroffenen Umsätze zurückzugewinnen, während es den Betrieb weltweit wieder hochfährt, Kundenaufträge erfüllt und verbleibende Rückstände abbaut; die vollständigen Auswirkungen sind jedoch noch nicht bekannt“, heißt es in der Mitteilung.
