Im Zentrum des Verfahrens steht Serhii Kropyva, ein hochrangiger Beamter der Generalstaatsanwaltschaft, der im Zusammenhang mit dem Fall festgenommen wurde. Die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft SAP beschrieb ihn als „engen Vertrauten“ Kravchenkos; zwischen beiden hätten „freundschaftliche, informelle Beziehungen“ bestanden.

Ein ukrainisches Antikorruptionsgericht ordnete am Montag Untersuchungshaft für Kropyva an und setzte die Kaution auf 120 Millionen Hrywnja fest, umgerechnet rund 2,7 Millionen US-Dollar. Er steht im Verdacht, Vermögenswerte von mehr als 89 Millionen Hrywnja – etwa zwei Millionen US-Dollar – gewaschen zu haben, und wurde vom Dienst suspendiert. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Erlöse des Systems über Immobilien, Schmuck und andere Wertgegenstände gewaschen wurden.

Kravchenko weist die Vorwürfe kategorisch zurück: „Ich habe nichts mit dem Schutz illegaler Callcenter zu tun, ich habe keine Anweisungen gegeben, solche Aktivitäten zu erleichtern, und ich habe die Befugnisse des Generalstaatsanwalts dafür nicht genutzt.“ Er verwies zugleich auf die Bilanz seiner Behörde: Im vergangenen Jahr seien mehr als 1.000 Durchsuchungen durchgeführt, rund 340 Callcenter geschlossen und über 5.000 Arbeitsplätze von Operatoren zerschlagen worden.

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Von NABU veröffentlichte Tonaufnahmen nähren allerdings die Frage, ob das mutmaßliche System bis an die Spitze der Generalstaatsanwaltschaft reichte. In den Mitschnitten ist von einem „Chef“ der Gruppe die Rede, der deren Geschäfte geschützt haben soll. Die Beteiligten nennen ihn beim Vatersnamen Andrijowytsch und geben an, er habe zuvor die staatliche Steuerbehörde der Ukraine geleitet – eine Position, die Kravchenko von 2024 bis 2025 innehatte. NABU hat Kravchenko nicht öffentlich als diese Person benannt und ihn nicht angeklagt.

Nach Angaben der ukrainischen Nationalpolizei geben sich die Betrüger üblicherweise als Bankangestellte, Polizisten oder Finanzberater aus. Manche leiten ihre Opfer auf gefälschte Investmentplattformen, andere fälschen die angezeigte Rufnummer, damit Anrufe seriös wirken.

Die Zielgruppen reichen weit über die Ukraine hinaus. Die ukrainische Cyberpolizei erklärte im Juli, sie habe ein Callcenter in Kyjiw ausgehoben, das mehr als 500.000 US-Dollar von Dutzenden Amerikanern erbeutet haben soll. Den Ermittlern zufolge rekrutierte die Operation englischsprachige Mitarbeiter aus den Vereinigten Staaten, Westafrika und europäischen Ländern, die sich als Finanzberater ausgaben und Opfer zu Investitionen in fiktive Vermögenswerte überredeten.

Einen Monat später starteten die ukrainischen Behörden ein landesweites Vorgehen gegen betrügerische Callcenter. Polizei, Sicherheitsdienst SBU und Generalstaatsanwaltschaft führten nach eigenen Angaben innerhalb einer Woche 411 Durchsuchungen durch und schlossen 94 Callcenter.