Xinbi Guarantee ist ein auf Telegram ausgerichteter Marktplatz, der nach der Schließung der vergleichbaren Plattformen HuiOne Guarantee und deren Nachfolger Tudou Guarantee im vergangenen Jahr an Bedeutung gewann. Wie seine Vorgänger vermittelt Xinbi zwischen Anbietern und Betreibern von Betrugszentren, die sogenannte „Pig Butchering"-Romance-Scams durchführen. Das Angebot reicht von maßgeschneiderten gefälschten Investment-Websites über das Waschen erbeuteter Gelder bis hin zur Anwerbung von Menschenhandelsopfern für Betrugsanlagen in Südostasien.
Die Plattform tritt dabei als Treuhänder auf: „Sobald ein Betrüger eine Dienstleistung bei einem Anbieter ‚kauft’, hält Xinbi als Organisation das Geld zurück, bis der Anbieter seine Leistung erbracht hat — so wird den Betrügern zugesichert, dass die Anbieter tatsächlich liefern", erklärte das DoJ. Laut Finanzministerium wurde die Plattform Berichten zufolge auch von nordkoreanischen Hackern sowie von mehreren durch OFAC gelisteten Einrichtungen genutzt, darunter die Jin Bei Group Co., Ltd. und Unternehmen der Prince Group TCO.
„Betrugszentren in Südostasien stehlen jedes Jahr Milliarden von Dollar von amerikanischen Opfern", sagte Finanzminister Scott Bessent. Die Regierung sei geschlossen darin, diese Kriminalunternehmen im Ausland zu zerschlagen. Tara McLeese, Special Agent in Charge des Washington Field Office des U.S. Secret Service, ergänzte, die im Ausland agierenden Kriminellen hätten das Geld über das Xinbi-Netzwerk gewaschen — „in der irrigen Annahme, außerhalb der Reichweite der US-Strafverfolgung zu sein".
Parallel weitete das Justizministerium den Aufgabenbereich der Scam Center Strike Force auf Betrugsanlagen weltweit aus. In Madagaskar wurden 13 von chinesischen Verbrechersyndikaten betriebene Anlagen ausgehoben; mehr als 3.200 elektronische Geräte wurden sichergestellt, Ermittlungen stützen sich auf Vernehmungen von knapp 400 Festgenommenen. Rund 30 davon sollen chinesische Anführer der Betrugsanlagen sein, die von der chinesischen Regierung nach China zurückgeführt wurden.
Zahlungen liefen bei Xinbi bislang durchgehend über Tethers Stablecoin USDT, überwiegend auf der TRON-Blockchain. Nach dem Einfrieren wich die Plattform auf USDD („Decentralized USD") aus und tauschte über eine dezentrale Börse schätzungsweise 2,8 Millionen Dollar der verbliebenen USDT-Bestände um. „Anders als USDT, das von Tether ausgegeben wird und eine eingebaute Funktion zum Einfrieren von Wallets besitzt, hat USDD keinen zentralen Emittenten und keine Sperrmöglichkeit", sagte Elliptic-Gründer und Chefwissenschaftler Dr. Tom Robinson. Die behauptete Dezentralität sei jedoch umstritten, und ein Sperrrisiko bestehe weiterhin, da USDD teilweise mit einfrierbarem USDT besichert sei.
Robinson hatte gegenüber The Hacker News bereits berichtet, dass sich Xinbi Guarantee nach einem Eingreifen von Telegram erholt habe und Telegram keine weiteren Schritte unternommen habe — was das Entstehen zahlreicher weiterer Marktplätze auf dem Messenger begünstigte. Vor gut fünf Monaten hatte Großbritannien als erstes Land Xinbi sanktioniert, unter anderem wegen des Verkaufs gestohlener Personendaten und von Satelliten-Internetausrüstung an Betrugszentren.
Elliptic bewertet die Maßnahmen als „schweren Rückschlag" für das Ökosystem der Guarantee-Marktplätze, weil sie das Vertrauen der Händler und kriminellen Nutzer untergraben: Diese müssten künftig damit rechnen, dass ihre Wallets jederzeit identifiziert und eingefroren werden — „diese Unsicherheit untergräbt den zentralen Mechanismus, auf dem diese Marktplätze beruhen".
