Xinbi Guarantee wurde 2022 gegründet und hat nach Analysen von Elliptic seither Transaktionen im Wert von mindestens 24 Milliarden US-Dollar abgewickelt. Das Unternehmen unterstützte den US Secret Service bei der Beschlagnahme der Wallets. Die Plattform bot ein breites Angebot für sogenannte Pig-Butchering- und andere Betrugsmaschen: Anbieter warben in den Kanälen für Geldwäschedienste, gestohlene Personendaten und Deepfake-Technik. Sämtliche Zahlungen liefen über den Stablecoin USDT von Tether, wobei der Marktplatz als Treuhänder auftrat und den Anbietern die Bezahlung garantierte.
Entstanden ist Xinbi aus dem Vakuum, das die Abschaltung von Huione Guarantee durch Telegram nach internationalem Druck hinterließ — dort waren zuvor 31 Milliarden Dollar umgesetzt worden. Obwohl Sicherheitsforscher Telegram auch zum Vorgehen gegen Xinbi drängten, blieb der Messenger untätig, und die Kriminellen wanderten dorthin ab. Die Cyber-Intelligence-Firma DarkTower zählte auf der Plattform zuletzt mehr als 4.600 Anbieter von Crime-as-a-Service.
Durchgeführt wurden die Maßnahmen von der Scam Center Task Force des US-Justizministeriums, einer behördenübergreifenden Einheit, die im vergangenen November geschaffen wurde, um gegen Cyberbetrug vorzugehen, der überwiegend von in Südostasien ansässigen chinesischen Gruppen der organisierten Kriminalität betrieben wird. Mit Unterstützung von Tether beschlagnahmten die Ermittler zwei Krypto-Wallets mit zwölf Millionen Dollar, über die Zahlungen der Anbieter eingesammelt wurden, sowie Dutzende weitere Wallets, die mutmaßlich der Geldwäsche und anderen Betrugsaktivitäten dienten.
Auf das Einfrieren der Gelder reagierten die Betreiber laut Elliptic mit der Ankündigung, auf USDD umzusteigen — einen Stablecoin auf der TRON-Blockchain, der schwerer zu beschlagnahmen ist. „Xinbi verurteilt das willkürliche Einfrieren von Adressen durch Tether aufs Schärfste“, hieß es in einem Telegram-Beitrag an die Nutzer. Das Entsperren größerer USDT-Beträge und die Sicherstellung der Regelkonformität seien weit schwieriger und langwieriger als erwartet, man sei „zutiefst betrübt und frustriert“.
Elliptic-Mitgründer Tom Robinson erwartet Anpassungsversuche: „Wahrscheinlich wird Xinbi versuchen, sich neu aufzubauen und wieder zu starten, doch angesichts dieser Sanktionen wird das sehr schwierig“, sagte er gegenüber The Record.
Das Finanzministerium nahm zudem zwei Firmen ins Visier, die den Betrieb unterstützt haben sollen: Anwen Technology, ein in Kambodscha ansässiger Entwickler der Krypto-Zahlungs-App XinbiPay, sowie SafeW Technology Co., Hersteller einer verschlüsselten Messaging-Anwendung, die mutmaßlich von den Geldwäsche- und Händlernetzwerken von Xinbi genutzt wurde.
Das Justizministerium kündigte an, die Einheit werde ihren Aktionsradius ausweiten und „Betrugszentren weltweit angreifen“. Ein Team sei zuletzt nach Madagaskar entsandt worden, um mit den dortigen Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten. Dabei seien 13 von chinesischen Syndikaten der organisierten Kriminalität betriebene Scam-Center ausgehoben und Dutzende mutmaßliche Anführer festgenommen worden, die laut Pirro „interessanterweise rasch nach China repatriiert“ wurden.
