Der Vergleich beendet ein Verfahren, das Grindr seit April 2024 beschäftigt. Britische Nutzer hatten dem Betreiber der LGBTQ+-Dating-App vorgeworfen, sensible persönliche Daten – darunter Angaben zum HIV-Status – an Werbetreibende weitergegeben und damit gegen britisches Datenschutzrecht verstoßen zu haben. Nach vorliegenden Angaben gehörten der Sammelklage 12.000 Mitglieder an.
Die Zahlung von 26 Millionen Pfund, umgerechnet rund 35,2 Millionen US-Dollar, erfolgt in zwei Summen: Eine ist bis Ende Dezember fällig, die zweite bis Ende März. Das geht aus einer Eingabe bei der US-Börsenaufsicht SEC hervor, die am 4. September unterzeichnet wurde.
Grindr bestreitet die Vorwürfe weiterhin. In der Börsenmeldung heißt es, der Vergleich enthalte “keine Feststellungen und kein Haftungseingeständnis”. Zugleich räumt das Unternehmen ein, dass es die Belastung und den Vertrauensverlust wahrnehme und anerkenne, den einige britische Nutzer mit Blick auf den Zeitraum vor 2020 geäußert hätten.
Genau dieser Zeitraum steht im Zentrum des Falls: Die beanstandeten Vorgänge ereigneten sich, als die App noch dem chinesischen Unternehmen Kuntun gehörte. Seit dem Eigentümerwechsel im Jahr 2020 habe Grindr sein Datenschutzprogramm “grundlegend überarbeitet, mit besonderem Blick auf die spezifischen Bedürfnisse seiner Community”, heißt es in dem Dokument weiter. Die Plattform sei und bleibe ein sicherer Raum für ihre Nutzer und der Transparenz, der Nutzerkontrolle und einem verantwortungsvollen Umgang mit Daten verpflichtet.
Bereits im Mai 2024 hatte die damalige Datenschutzchefin des Unternehmens, Kelly Peterson Miranda, gegenüber Recorded Future News die Darstellung der Kläger zurückgewiesen. Die Klage behaupte, Grindr habe Gesundheitsdaten – konkret das Datum des letzten HIV-Tests – verkauft und zu Werbezwecken genutzt. Das sei kategorisch auszuschließen: “Das ist nie passiert.” Man habe gesundheitsbezogene Informationen von Nutzern nie für irgendeine Form von Werbung verwendet, wie es in der Klage unterstellt werde.
Stattdessen seien die Daten mit zwei Dienstleistern geteilt worden, um die Entwicklung einer neuen Funktion zu ermöglichen. Diese erlaubte es Nutzern, den HIV-Status in einem eigenen Feld im Profil anzugeben. “Es war nie ein Datenleck, es wurde nie unwissentlich weitergegeben”, sagte Peterson Miranda damals. Die Übermittlung sei verschlüsselt erfolgt und habe allein dazu gedient, die Funktion auszurollen und zu überwachen.
