Das Early-Access-Programm von Google Play erlaubt es, unfertige Apps und Spiele vor dem offiziellen Start auszuprobieren. Weil das Programm bewusst auf öffentliche Bewertungen und Rezensionen verzichtet – die Kommunikation läuft nur vom Nutzer zum Entwickler –, fehlt Interessenten jeder Hinweis anderer Anwender. Fragwürdige Akteure nutzen laut Bitdefender genau diesen blinden Fleck aus.

Die Reichweite holen sich die Entwickler von außen: Auf TikTok und Facebook geschaltete Anzeigen versprechen Bargeld, Kryptowährungen, Geschenkkarten, Freispiele oder Casino-Gewinne. Wer der Anzeige folgt und die App installiert, wartet vergeblich auf die Auszahlung. “Stattdessen”, warnt Bitdefender, “spielt die Anwendung eine Werbung nach der anderen aus – was vermutlich der eigentliche Zweck der Entwickler ist: Geld zu verdienen, indem sie möglichst vielen Menschen Werbung zeigen.”

Eine typische Spielart nennen die Forscher “Ghost Casino”. Während echtes Glücksspiel streng reguliert ist, umgehen viele Casino-ähnliche Early-Access-Apps diese Vorgaben, indem sie sich als harmlose Slot- oder Puzzlespiele ausgeben. Die Nutzer werden über gefälschte Social-Media-Anzeigen dorthin geleitet.

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Besonders auffällig ist der Einsatz manipulierter Prominenz: “Viele dieser Anzeigen verwenden ganz unverhohlen Deepfakes bekannter Sportler, Schauspieler oder anderer Personen des öffentlichen Lebens, die jedem erzählen, dass er 250 Freispiele geschenkt bekommt”, so Bitdefender. Daneben kursieren auch Werbespots mit vermeintlich zufälligen Nutzern. Die Plattformen erkennen und entfernen solche Anzeigen inzwischen recht zuverlässig – doch der Vorgang lässt sich beliebig wiederholen und kommt oft genug vor, dass ahnungslose Nutzer hängen bleiben.

Zu den am häufigsten verwendeten Fantasietiteln in diesem Schema zählen Bitdefender zufolge “Chicken Road”, ein Mini-Spiel nach dem Risiko-Belohnungs-Prinzip, bei dem ein Comic-Huhn über einen gefährlichen Weg geführt wird, sowie “Ice Fishing”, ein schnelles Live-Dealer-Casinospiel – dazu jeweils zahlreiche Namensvarianten.

Ein weiteres Muster ist der Missbrauch fremder Marken. Als Beispiel nennt Bitdefender Grand Theft Auto: Die betrügerische App wird etwa unter dem Namen “Grand Theft Auto V (Early Access)” hochgeladen. Sobald Google Search den Eintrag indexiert hat, wird die App umbenannt – wer nach dem Originalspiel sucht, landet dennoch beim manipulierten Angebot. “Nun trägt dasselbe Spiel einen völlig anderen Titel und zeigt andere Screenshots – KI-generiert und nicht einmal repräsentativ für das Spielgeschehen”, schreibt Bitdefender. Die App sei durchgängig darauf ausgelegt, aggressiv Werbung auszuspielen; wer es überhaupt bis zum Spielen schaffe, bemerke, dass nichts davon der Präsentation entspreche.

Die Forscher betonen, dass über diesen Weg keine Schadsoftware verbreitet wird und den Entwicklern auch nichts eindeutig Illegales vorgeworfen wird – auch wenn der Betrugsverdacht naheliegt. Es bleibt der klare Missbrauch eines Google-Dienstes, der eigentlich seriösen Entwicklern zugutekommen soll: Die Betreiber verdienen am Verkauf von Werbeplätzen und bringen Nutzer dazu, ihnen die dafür nötige Hardware bereitzustellen – möglicherweise in großem Maßstab.