Gegenüber der russischen Zeitung Kommersant erklärte Wildberries, die meisten Händler hätten ihr Geld erhalten; einzelne Zahlungen seien wegen des DDoS-Angriffs jedoch weiterhin verzögert. Die Sicherheitssysteme des Unternehmens könnten die Verarbeitung bestimmter Überweisungen während eines Angriffs vorübergehend aussetzen, wodurch Auszahlungsanfragen länger dauerten als üblich.
Der Verkäuferverband hält diese Begründung für zweifelhaft. Es sei „sehr bequem, sich hinter äußeren Faktoren zu verstecken, besonders hinter technischen", hieß es. Zudem behauptete der Verband, ausländische Händler hätten im selben Zeitraum weiterhin fristgerecht Zahlungen erhalten.
In einem Brief an den russischen Ministerpräsidenten Michail Mischustin forderte die Vereinigung, die Regierung solle das Thema unter ihre Aufsicht nehmen. Die russische Wettbewerbsbehörde solle die Verzögerungen prüfen, die Steuerbehörde die Liquiditätsprobleme jener Unternehmen berücksichtigen, die ihr Geld nicht erhalten haben.
Einen möglichen Hintergrund liefern Angaben aus Kiew: Der ukrainische Militärnachrichtendienst HUR erklärte im vergangenen Monat, gemeinsam mit der Hackergruppe Cyber Corps eine Operation durchgeführt zu haben, die die digitale Infrastruktur von Wildberries in großem Umfang gestört habe – betroffen seien Kundenservice, Callcenter und Zahlungssysteme gewesen. Bereits im August hatte der Dienst mitgeteilt, den Betrieb des Konzerns in einem Cyberangriff zusammen mit Cyber Corps beeinträchtigt zu haben.
Nach Darstellung des Nachrichtendienstes sollte die Operation den Schaden ukrainischer Angriffe auf Wildberries-Lagerhallen verstärken. Wildberries bestätigte die Angaben öffentlich nicht und äußerte sich auch nicht dazu, ob die für die Zahlungsverzögerungen verantwortlich gemachten DDoS-Angriffe mit dieser Operation zusammenhängen.
Das Unternehmen betreibt ein weitreichendes Logistiknetz. Russischen Medienschätzungen zufolge hat es durch ukrainische Angriffe mehr als 1,2 Millionen Quadratmeter Lagerfläche verloren. Über die Plattform werden überwiegend gewöhnliche Konsumgüter verkauft; Berichten zufolge bot Wildberries jedoch auch militärnahe Ausrüstung an, darunter Drohnenkomponenten und Schutzwesten.
