Die schwerwiegendste der nun behobenen Schwachstellen trägt die Kennung CVE-2026-85706 und erreicht mit 10.0 den maximalen CVSS-Wert. Es handelt sich um eine Path-Traversal-Schwachstelle in der Repository-Commits-API von GitLab. Ohne vorherige Authentifizierung lassen sich darüber unter bestimmten Bedingungen beliebige Dateien vom Server lesen. GitLab führt das Problem auf eine „unzureichende Pfadbeschränkung und fehlende Durchsetzung der Authentifizierung in der Repository-Commits-API“ zurück. Betroffen sind mehrere Versionen der Community Edition und der Enterprise Edition.
Die Lücke bleibt nicht theoretisch: Das Unternehmen watchTowr beobachtet seit dem 11. September 2026, 06:00 UTC, aktive Scans im Netz – also binnen Stunden nach der Veröffentlichung. Angreifer können laut watchTowr Logdateien und GitLab-eigene Konfigurationsdateien auslesen und auf diesem Weg an Zugangsdaten, Geheimnisse und andere sensible Informationen gelangen.
„Dies ist der zweite Fall einer kritischen GitLab-Schwachstelle in den vergangenen Wochen, nach der vorangegangenen GraphQL-Code-Injection (CVE-2026-19478), die fast unmittelbar aktiv ausgenutzt wurde“, erklärte Jake Knott, Leiter Threat Intelligence bei watchTowr, gegenüber The Hacker News. Für eine Ausnutzung genüge eine einzige Voraussetzung: Es muss mindestens ein öffentliches Projekt vorhanden sein.
Warum GitLab-Server ein lohnendes Ziel sind, beschreibt Knott deutlich: Unbefugter Zugriff eröffne den Weg zu Quellcode, CI/CD-Geheimnissen und Zugangsdaten sowie die Möglichkeit, Code in Build-Pipelines einzuschleusen und damit alles nachgelagerte zu kompromittieren oder zu vergiften – ein Vorgehen, das bei Angreifern im laufenden Jahr besonders beliebt gewesen sei.
Mit den Versionen 19.3.2, 19.2.6 und 19.1.8 schließt GitLab zudem eine kritische Schwachstelle durch unsichere Deserialisierung in der Enterprise Edition. CVE-2026-87719 erreicht einen CVSS-Wert von 9.9 und kann zur Offenlegung von Informationen führen. Nach Darstellung von GitLab kann ein authentifizierter Nutzer mit Zugriff auf Duo Chat über ein speziell präpariertes GraphQL-Subscription-Argument die Serialisierung umgehen, eine Objektsuche auf dem Server auslösen und so Konfigurationen der Advanced-Search-Instanz sowie sensible Zugangsdaten abgreifen.
Organisationen, die selbst verwaltete GitLab-Instanzen mit Internetanbindung betreiben, sollten die Patches so schnell wie möglich einspielen oder – falls nicht benötigt – den öffentlichen Zugriff einschränken. „Auf Basis der bisherigen Erfahrungen ist der Übergang dieser Schwachstelle zur wahllosen Massenausnutzung wahrscheinlich nicht mehr weit entfernt, und Verteidiger haben nur begrenzt Zeit zu handeln“, so Knott.
Zur Erkennung möglicher Angriffsversuche empfiehlt watchTowr, Logdateien auf HTTP-POST-Anfragen an URIs der Form „/api/v4/projects/{id}/repository/commits/“ zu prüfen, die den Parameter „file.Path“ enthalten.
