Nach der Analyse von Anthropic wurden erfolgreich getarnte Artefakte auf kurzlebigen Hosting-Servern bereitgestellt. Opfer wurden dorthin umgeleitet und luden die Schadsoftware über Phishing, ClickFix-Köder und DNS-Hijacking. Auch das Registrieren von Domains, der Aufbau der Versandinfrastruktur für Phishing-Mails, der Versand selbst sowie die Überwachung der Command-and-Control-Kanäle auf erfolgreiche Kompromittierungen liefen über KI-gestützte Abläufe.

„Der Akteur nutzte KI auch, um zu beobachten, wie gut seine Werkzeuge der Erkennung durch bekannte Sicherheitslösungen entgingen", erklärte Anthropic. Stellten die überwachenden Agenten fest, dass eine ausgerollte Schadsoftware von einem Sicherheitsprodukt erkannt wurde, begannen sie eigenständig damit, sie umzubauen und neu zu erzeugen.

Die Aktivitäten überschneiden sich mit einer Kampagne namens CaptiveCrunch, die von ReliaQuest, Microsoft, Google und Lumen Black Lotus Labs im Juli und August 2026 dokumentiert wurde. Dabei kompromittierte der Akteur laut Anthropic mindestens drei Dienstleister, die Gäste-WLAN in Hotels betreiben. Mit erbeuteten Administratorzugängen änderte er DNS-Einträge so, dass sie auf eigene Dienste verwiesen. Hotelgäste, die sich mit dem WLAN verbanden, übermittelten dadurch ihren Datenverkehr, ihre Gerätekennung und ihre IP-Adresse an die Server der Angreifer. Anschließend erhielten sie ClickFix-artige Köder, die auf das jeweilige Gerät zugeschnittene Schadsoftware für Windows, Android und iOS auslieferten.

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Daten aus Hotelmanagementsystemen und von den Geräten einzelner Gäste dienten dazu, weitere Ziele zu identifizieren — insbesondere Personen mit Bezug zur Ukraine, darunter Regierungsvertreter und Drohnenhersteller. Ergänzend versuchte die Gruppe, WhatsApp-Konten zu übernehmen: Über Browser ohne grafische Oberfläche koppelte sie Opferkonten als Begleitgeräte und exportierte anschließend russisch- und ukrainischsprachige Konversationen in großem Umfang, während sie Lesebestätigungen unterdrückte.

Auch Überwachungsplattformen gerieten ins Visier. „Sie fanden Autorisierungsfehler in der Anwendungsschnittstelle von Kamera-Streaming-Diensten", so Anthropic. Von dort aus hätten die Angreifer Nutzer aufgelistet und Token abgegriffen, die ihnen Zugriff auf die Live-Kamerastreams der Opfer verschafften.

GTG-20006 wird zudem ein Einbruch bei einer nordafrikanischen Regierungsbehörde für Technologie zugeschrieben. Über Zugangsdaten zu einem VPN-Gerät übernahm die Gruppe den zentralen Kontoserver und exfiltrierte die gesamte Zugangsdatenbank mit mehr als 300.000 nationalen Identitätsdatensätzen sowie Handelsregisterdaten von über einer halben Million im Land tätiger Unternehmen.

Hinzu kommt eine selbst entwickelte Cloud-Plattform für E-Mail-Spionage. Mit einem Device-Code-Phishing-Baukasten namens Embassy Kit orchestrierte der Akteur Diebstahl von Microsoft-365-Token bei diplomatischem und staatlichem Personal. Bei mindestens acht Organisationen kam es zu unbefugtem Zugriff und zur Ausleitung von Mail-Beständen, darunter eine nationale Staatsanwaltschaft, eine militärische Bildungseinrichtung und eine regionale zwischenstaatliche Organisation.

Daneben verteilte die Gruppe Windows-Passwortdiebe über Social-Engineering-Köder mit angeblichen Updates sowie Hilfswerkzeuge für Fernzugriff und zur Manipulation der Sicherheitsupdates befallener Rechner, damit die Artefakte unentdeckt blieben. „Der Akteur setzte KI an jedem Punkt seiner Operationen ein", fasste Anthropic zusammen. In lokalen Umgebungen habe er damit die Tarnung und Persistenz seiner Implantate überwacht. Das Ergebnis: Die Kosten verlagerten sich zurück auf die Verteidiger, die zuvor das Tempo eines Angreifers durch eine neue Erkennungsregel bremsen konnten.