Die Angreifer kompromittierten laut Bericht Anbieter von Hotel-WLAN und veränderten DNS-Einträge, um Reisende auf von ihnen kontrollierte Infrastruktur umzuleiten. Anthropic verweist dabei auf eine Untersuchung von Microsoft, die diese Aktivität dem Teilcluster Storm-2945 innerhalb von Midnight Blizzard zuordnet.

Wiederholt im Visier standen „Angehörige der ukrainischen Regierung, des Militärs und des diplomatischen Dienstes" sowie Akteure aus der Lieferkette für Drohnen. Nachdem sich die Angreifer Zugang zu den Postfächern zweier Hersteller von Drohnenkomponenten verschafft hatten, nahmen sie einen Hersteller militärischer Drohnen ins Visier und entwendeten ein vollständiges proprietäres Software Development Kit für ein Drohnen-Bildverarbeitungssystem.

Anschließend setzten sie Claude ein, um dieses System zurückzuentwickeln, und rekonstruierten dabei laut Anthropic die Produktarchitektur, die Hardware-Stückliste, die Abhängigkeiten von Zulieferern sowie Details zu einem noch nicht angekündigten Produkt. Besonderes Interesse habe Firmware zur Steuerung militärischer Drohnen und zur KI-gestützten Bilderkennung geweckt.

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Daneben nutzte die Gruppe die KI, um zu prüfen, ob Sicherheitsprodukte ihre Werkzeuge erkannten. „Wenn ihre Implantate von Sicherheitsprodukten markiert wurden, nutzte der Akteur Claude, um die erkannten Artefakte systematisch zu identifizieren, zu verändern und erneut auszubringen", heißt es im Bericht. Anthropic zieht daraus den Schluss, dass KI die Kosten auf die Verteidiger zurückverlagert habe: Früher hätten neue Erkennungsregeln das Tempo eines Angreifers bremsen können, nun könnten fähige Gegner „den Kreis schließen" und klassische Erkennung schneller umgehen, als Verteidiger sie entwickeln und ausrollen.

Die Geheimdienstallianz Five Eyes hatte im Juni gewarnt, führende KI-Modelle würden die aktuellen Erwartungen der Branche wahrscheinlich übertreffen und offensive wie defensive Cyberfähigkeiten grundlegend verändern: „Der Zeithorizont sind nicht Jahre, es sind Monate."

In weiteren Fällen setzten mutmaßliche Verbündete der Cyberkriminellen-Gruppe ShinyHunters KI ein, um nach Zugangsdaten zu suchen, unbekannte Systeme zu kartieren und Daten für Erpressungen zu stehlen. In einem Fall gelangte ein Operator laut Anthropic binnen rund drei Stunden von einem gestohlenen Entwickler-Token zu vollständigen Administratorrechten in der Cloud-Umgebung eines Opfers.

Eine chinesischsprachige Gruppe, zu der zwei als Studenten einer Universität in Hunan identifizierte Operatoren gehören, betrieb mit Claude ein „autonomes Programm zur Schwachstellenforschung". Dessen Kernstück war anhaltende Forschung gegen ein großes Sicherheitsprodukt, in dem mehrere Zero-Day-Schwachstellen gefunden wurden. Zudem beschreibt Anthropic einen französischsprachigen Hacktivisten, der Claude bei Angriffen auf mehrere europäische Parteien, Medienorganisationen und Denkfabriken einsetzte; dessen Motive bleiben offen.

Gerade diese Kampagne mit mehreren Opfern zeige, so das Unternehmen, dass KI den Abstand zwischen staatlich gestützten Gruppen und kleineren Akteuren verringere, weil sie Aufwand und Fachwissen für komplexe Operationen senke. KI ersetze klassische Angriffsmethoden aber nicht: Phishing, gestohlene Zugangsdaten, offen erreichbare Dienste und Softwarefehler blieben zentral. Der Bericht behandelt darüber hinaus Einflussoperationen, Überwachung, Betrug, biologischen Missbrauch, konventionelle Waffenentwicklung und Distillation.

David Agranovich, früher Russland-Direktor im National Security Council, Gründer des Threat-Disruption-Teams von Meta und heute bei Google im Bereich adversariale Sicherheit tätig, schrieb in sozialen Medien, KI senke — ähnlich wie zuvor die kommerzielle Spyware-Industrie — die Einstiegshürden für Cyberoperationen. Er warnte, manche Berichterstattung werde den Bericht auf „Claude wurde benutzt, um [etwas Schlimmes zu tun]" verkürzen, ohne zu erwähnen, dass man davon nur wisse, weil Anthropic nachgeforscht und eingegriffen habe: „Wenn wir Unternehmen nicht dazu anreizen (oder verpflichten), solche Dinge zu teilen, werden sie damit aufhören."