Die von Anthropic beschriebene Pipeline des Akteurs „frkoo" lieferte Zugangsdaten in großem Stil: „Diese Pipeline lud massenhaft 1,8 Millionen verschiedene Android-APKs aus mehreren App-Store-Quellen herunter, dekompilierte sie und durchsuchte sie mit TruffleHog nach fest einprogrammierten Geheimnissen", heißt es im Bericht. Bestätigte Funde seien in Echtzeit an eine Telegram-Gruppe weitergeleitet worden, die nach über 100 Quellentypen gegliedert war.

Ein zweiter automatisierter Prozess sammelte E-Mail-Adressen von GitHub-Organisationen und beschaffte darüber persönliche Zugriffstoken (Personal Access Tokens). Beide Pipelines lieferten laut Anthropic die Erstzugangs-Zugangsdaten für „den Großteil der bestätigten Einbrüche", die dem Akteur zugeordnet werden. Zusätzlich betrieb „frkoo" unter policenationale[.]cc einen Kartenshop, der sich als französische Nationalpolizei ausgab und gestohlene Zahlungskartendaten, vollständige Karteninhaberinformationen sowie eine interaktive Karte mit Opferadressen anbot.

Mutmaßliche ShinyHunters-Mitglieder entwendeten außerdem API-Schlüssel für KI-Dienste und nutzten sie, um in weitere Organisationen einzudringen oder Aufklärung zu betreiben. In einem Fall kompromittierten sie einen Software-as-a-Service-Anbieter und stahlen Daten von rund 200 nachgelagerten Kunden. Ein weiterer Akteur benötigte mit Unterstützung von Claude etwa 34 Stunden, um Authentifizierungsdaten abzugreifen und mehr als 2.100 Sätze von Azure-AD-Authentifizierungstoken aus über 40 verschiedenen Microsoft-Unternehmensmandanten zu erlangen. „KI-Agenten erledigten nahezu die gesamte Arbeit", hält Anthropic fest.

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Weitere ShinyHunters zugerechnete Vorfälle umfassen den Einbruch bei einem Technologieanbieter mit dem Diebstahl von einem Terabyte Daten, die Kompromittierung einer Fluggesellschaft und den Zugriff auf Systeme eines Energieunternehmens. Die Gruppe ging nach dem Erstzugang schnell vor: Bei einem Unternehmenssoftware-Hersteller dauerte es nur wenige Stunden bis zum massenhaften Datenabfluss, in einem anderen Fall gelangten die Angreifer in weniger als drei Stunden von einem einzelnen gestohlenen Entwicklertoken zur vollständigen administrativen Kontrolle.

Die russische Spionagegruppe Midnight Blizzard setzte Claude laut Bericht zur Automatisierung von Malware-Entwicklung, Recherche, Infrastrukturbeschaffung, Phishing, Persistenz, Command-and-Control-Operationen und Datenexfiltration ein. Die Gruppe richtete zudem eine Rückkopplungsschleife ein, die Schadsoftware jedes Mal neu erzeugte, sobald Sicherheitsprodukte sie erkannten. Anthropic beobachtete Angriffe auf mehr als 20 Einrichtungen aus den Bereichen Regierung, Verteidigung, Diplomatie, Nachrichtendienste und Außenpolitik.

Zum Vorgehen gehörten Device-Code-Phishing, ClickFix-Angriffe, DNS-Hijacking über kompromittierte Hotel-WLAN-Anbieter, Übernahmen von WhatsApp-Konten, Diebstahl von Cloud-E-Mails sowie Schadsoftware für Windows, Android und iOS. Claude kam dabei in allen Angriffsphasen zum Einsatz; die Abläufe waren um Claude-Code-Skills herum aufgebaut, die der menschliche Operator im Wesentlichen nur bei Bedarf nachjustierte.

Die chinesischsprachige Gruppe GTG-10007 nutzte Claude nach Darstellung von Anthropic als „technische und orchestrierende Schicht eines koordinierten Offensivprogramms". Autonome Schwachstellenforschung lief auch dann weiter, wenn die menschlichen Operatoren abwesend waren, und deckte mehrere bislang unbekannte Lücken in einem großen Sicherheitsprodukt auf. Zudem entstanden „funktionierende Exploits für mehrere Familien von Netzwerk- und Sicherheitsappliances", die gegen Regierungsorganisationen weltweit eingesetzt wurden. Betroffen waren rund 50 Organisationen aus Verwaltung, Bildung, Handel, Energie, Technologie, Gesundheitswesen, Finanzwesen und Fertigung, mit bestätigten Kompromittierungen bei einem Bildungstechnologie-Unternehmen, einem Einzelhändler und einer südostasiatischen Regierungsbehörde.

Anthropic unterband nach eigenen Angaben die Nutzung von Claude für diese Aktivitäten, sperrte die Konten der Angreifer, passte seine Schutzmechanismen an und ergänzte Maßnahmen, um künftigen Missbrauch schneller zu erkennen.