Amodeis Essay verbindet zwei Stoßrichtungen, die aus Pekinger Sicht im Widerspruch stehen: Einerseits fordert er die Fortsetzung der Exportkontrollen, andererseits räumt er ein, dass eine globale Entschleunigung „Kooperation mit China erfordern wird, dem autokratischen Land mit den mit Abstand fortschrittlichsten KI-Fähigkeiten". Zur Begründung der Dringlichkeit prognostiziert der Anthropic-Chef, ein Schwarm von KI-„Agenten" könne binnen sechs bis zwölf Monaten das Internet übernehmen, sofern sich die Forschung nicht auf ein langsameres Tempo verständige.

Trump wies am Sonntag Appelle zurück, seine Regierung solle die KI-Entwicklung ausbremsen. Die USA lägen gegenüber China vorn, sagte er, und: „Wer KI gewinnt, gewinnt."

Die staatliche Zeitung Global Times wertete Amodeis Text in einem am Sonntag veröffentlichten Leitartikel als kaum verhüllten Aufruf zur „Eindämmung" Chinas. Oberflächlich betrachtet gehe es um globale KI-Sicherheit, tatsächlich sei der Beitrag „vollgepackt mit Eindämmungsbestimmungen gegen China" und im Kern ein „Drehbuch des Kalten Krieges" für den KI-Sektor.

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Der Essay erschien wenige Tage nach einer gemeinsamen Sicherheitswarnung von FBI, National Security Agency und Cybersecurity and Infrastructure Security Agency. Darin heißt es, chinesische KI-Entwickler hätten mit „aggressiven, bösartigen" Methoden Fähigkeiten aus einigen der fortschrittlichsten US-Modelle extrahiert — durch sogenannte Destillation. Genannt wurden unter anderem Anthropics Claude und OpenAIs GPT.

Chinas Handelsministerium wies die amerikanischen Vorwürfe als haltlos zurück. Destillation werde von vielen KI-Unternehmen routinemäßig eingesetzt; die USA strebten ein „Monopol der KI-Industrie" an.

Parallel positioniert sich Peking mit eigenen Regulierungsangeboten. Xi Jinping wirbt für einen globalen Rahmen zur KI-Steuerung gemeinsam mit den Staaten des Globalen Südens und präsentiert China als Vorreiter einer offenen Open-Source-KI-Gemeinschaft. Der Leiter des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit forderte in einem kürzlich erschienenen Artikel, den „Aufbau eines Systems zur Verhinderung und Steuerung von KI-Sicherheitsrisiken" zu beschleunigen.

Chinesische Unternehmen haben leistungsfähige KI-Modelle entwickelt, deren Nutzung oft günstiger ist als die fortgeschrittener Modelle US-amerikanischer Anbieter — und die nach manchen Maßstäben ebenso leistungsfähig sind.

Lizzi C. Lee, Fellow am Center for China Analysis des Asia Society Policy Institute, sieht auf beiden Seiten dasselbe Kalkül: China und die USA wollten jeweils sicherstellen, dass die Gegenseite keinen technologischen Engpass gegen sie errichten könne. „Aus Pekinger Sicht stellt sich damit eine naheliegende Frage: Wenn die USA wollen, dass China bei der Sicherheit von Spitzenmodellen kooperiert, ihm zugleich aber den Zugang zu Spitzenrechenleistung beschränken — wie genau soll diese Kooperation dann aussehen?"