Die Bandbreite der Seiten reicht von simplen Landingpages bis zu aufwendigen Nachbildungen. Einfache Varianten bewerben lediglich die angeblichen Vergünstigungen und fordern zum Ausfüllen eines Formulars auf. Aufwendigere Seiten imitieren regionale Nachrichtenportale, veröffentlichen erfundene Artikel über staatliche Hilfsprogramme und leiten die Leser anschließend zu Fragebögen weiter.
„Die an diesen Schemata beteiligten Betrüger nutzen das Vertrauen der Bürger in Regierungsprogramme und soziale Initiativen aus", erklären die Forscher von F6. „Sie kopieren sorgfältig den visuellen Stil und die Sprache von Regierungsportalen und Nachrichtenmedien, damit die Webseiten möglichst überzeugend wirken."
Haben Nutzer ihre Daten hinterlassen, folgt in der Regel ein Anruf. Die Betrüger geben sich als persönliche Betreuer aus und verlangen etwa eine Provision oder Bearbeitungsgebühr, bevor das versprochene Geld angeblich ausgezahlt werden kann. In anderen Fällen versuchen sie, weitere persönliche Angaben zu erhalten oder Zugriff auf das Gerät des Opfers zu bekommen.
Besonders folgenreich ist eine weitere Variante: Opfer werden aufgefordert, eine mobile Anwendung zu installieren, die angeblich für die Registrierung im Programm oder zur Identitätsprüfung nötig sei. Tatsächlich handelt es sich laut F6 um Schadsoftware, mit der Angreifer die Kontrolle über das Gerät übernehmen und womöglich Geld von den Konten der Opfer abziehen können.
Ebenfalls verbreitet ist die Aufforderung, Passscans als Teil einer vermeintlichen Verifizierung hochzuladen. Die erbeuteten Dokumente lassen sich anschließend für weiteren Betrug verwenden — etwa um im Namen der Opfer Kredite aufzunehmen oder Phishing-Angriffe durchzuführen.
Die Kampagne kombiniert damit mehrere Betrugsstufen: Datenerfassung über gefälschte Webseiten, telefonische Nachbearbeitung durch angebliche Sachbearbeiter, Vorschussforderungen, Identitätsdiebstahl per Ausweiskopie und schließlich Schadsoftware auf dem Smartphone. F6 nennt weder eine Tätergruppe noch eine Zahl der Geschädigten.
